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Stadtmauer, Płock (Polen)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Im Jahre 1353 befahl der König Kazimierz Wielki (Kasimir der Große) in einem königlichen Privileg, die Stadt Płock mit einer hohen und starken Mauer zu umgeben. Das genannte Dokument bestimmte unter anderem die technischen Daten und die Art der Finanzierung dieser Fortifizierung. Die Mauer sollte auf der Höhe der Fundamente 4 Ellen (etwa 2,30 m) breit sein, eine Stärke von 3 ¼ Ellen (1,87 m) im oberirdischen Teil aufweisen und 16 Ellen (9,22 m) über dem Fundament hoch sein. Alle 60 Ellen (etwa 33 m) sollten Basteien errichtet werden, die jeweils um 4 Ellen aus der Mauer herausragten. Als Baumaterial wurden Steine und Ziegel verwendet. Bis zur Fertigstellung der Investition verpflichtete sich der König, für diesen Zweck 400 Grzywna (Mark – 1 Mark (Grzywna) = 233,856 g) jährlich zu zahlen, der Anteil der Stadt wurde auf 100 Mark festgelegt. Damit die Bürger die Verpflichtungen erfüllen konnten, befreite Kazimierz Wielki sie von den Steuern für die Zeit des Baus der Mauern. Die Gesamtkosten für die Errichtung eines laufenden Meters Mauer wurden auf 20 Grzywna (Mark) festgesetzt, was die jährliche Errichtung eines Abschnitts mit einer Länge von etwa 112,5 m ermöglichte. Die Gesamtlänge der Fortifizierungen betrug etwa 1.800 m. Die Gesamtbaukosten werden auf 8.000 Grzywna (Mark) geschätzt, die Bauzeit auf 16 Jahre, was bedeutet, dass die Płocker Stadtmauern in einem Zeitraum zwischen 1353 und 1369 (oder etwas später) errichtet wurden. Höchstwahrscheinlich wurde die Errichtung der Mauern an den am meisten angriffsgefährdeten Abschnitten – also im Nordwesten und im Nordosten – begonnen, was bedeutet, dass das bis heute erhalten gebliebene Fragment der Mauern noch in den 50-er Jahren des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Die Verteidigungsmauern umgaben die gesamte Stadt, ebenfalls auf Seiten der Weichsel – sie verliefen von der ul. Okrzei über die ul. J. Kwiatka, bogen in der Umgebung der Synagoge schräg in Richtung des alten Kinos „Przedwiośnie” ab und durchschnitten die heutige ul. Tumska im Bereich des „Hauses zu den Hörnern“ (Stich Nr. 2). Von Westen und Nordosten lag ein Stadtgraben an der Mauer an. Im Inneren der Mauer konnte man die Fürstenstadt, die Bischofsstadt, den jüdischen Stadtteil und den Schlossbereich abgrenzen.

Die Stadtmauern verfügen über drei Tore, die in der Linie der drei Hauptverkehrswege lagen: das Grodzka-Tor (Wyszogrodzka-Tor), das Dobrzyńska-Tor und das Bielska-Tor, das einzige von den Archäologen untersuchte und rekonstruierte Tor (siehe Stich Nr. 1).

Spätere Informationen über die Stadtmauer gibt es in den erhaltenen Dokumenten nur wenige. Die Einträge beziehen sich hauptsächlich auf die Finanzierung der Bauarbeiten, die laufende Konservierung und Modernisierung der Mauern.

Die Fortifikationen wurden bis in das 16. Jahrhundert in gutem Zustand erhalten. Doch der lange Zeitraum relativer Ruhe, der im damaligen Polen herrschte, begünstigte Vernachlässigungen. Der Fortschritt in der Kriegskunst bedingte zudem, dass die Verteidigungswerte mittelalterlicher Stadtbefestigungen bedeutend sanken. Zudem kam es zu einem Zeitraum der Verarmung der Stadt, was der Aufnahme von Reparaturmaßnahmen an den alten Mauern auch nicht zuträglich war. Das erste Anzeichen der Vernachlässigung der Mauern war der Anbau von Wohn- und Wirtschaftshäusern an die Mauer, welche die mauernahen Straßen blockierten. Später erschienen solche Gebäude ebenfalls auf der Außenseite der Mauer.

Der Zerstörungsprozess der Stadtmauer begann im 17. Jahrhundert, als ein Teil der Mauer über die Weichselböschung abrutschte. Nach den ältesten kartographischen Überlieferungen bestand jedoch noch im Jahre 1793 eine durchgehende Fortifizierung vom Grodzka-Tor bis zur westlichen Ecke sowie ein kurzer Abschnitt an der Pfarrkirche des Hl. Bartholomeus. Zudem waren noch drei Tore und 17 Basteien erhalten geblieben.

Das Ende der Existenz der Fortifikationen von Płock kam mit der Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als die preußischen Machthaber mit Arbeiten zur Regulierung des Stadtplanes von Płock begannen. Die Idee der preußischen Städteplaner bestand im Abriss der Mauern und im Zuschütten des Stadtgrabens. Der systematische Abriss der Fortifikationen dauerte bis in das Jahr 1820. Die Ziegel aus dem Abriss dienten zum Bau von Wohnhäusern an den Straßen ul. Bielska und ul. J. Kwiatka (damals ul. Szeroka – Breite Straße).
 
 

Fragmente heute

Fragmente 1970er

Vogelperspektive

 
 
 
 

Besonderheiten

Ein Fragment der Verteidigungsmauern aus dem 14. Jahrhundert liegt an der Kreuzung der Straßen ul. Bielska und ul. J. Kwiatka in Płock, in der Nähe des heute nicht mehr existierenden Bielska-Tores in nordwestlicher Richtung. Es hat eine Länge von 15 m, eine Höhe von etwa 5 m und eine Breite von ca. 80 cm. In nordöstlicher Richtung ist der Teil der Mauer in Wohnbebauung und ein Wirtschaftsgebäude eingefasst (ul. Kwiatka 51). Der restliche Teil des Fragments ist nicht umbaut und von Seiten der ul. Kwiatka und der ul. Bielska sichtbar.
 
 
 
 
 
 

Nutzung

 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Das Grundstück, auf welchem sich der historische Bau befindet, ist Eigentum einer gemeindeeigenen Gesellschaft – der Agentur zur Revitalisierung der Altstadt.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

- 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts: Maßnahmen zur Sicherung des Mauerfragments,

- 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts: Maßnahmen zur Ummauerung der südlichen Seite der Mauer sowie ihrer Krone – die Ausführung dieser Arbeiten wurde später als nachlässig in Hinsicht auf den Denkmalschutz eingeschätzt.

- 2001: Komplexe Maßnahmen, u.a. in den Bereichen Desinfizierung, Reinigung, Ergänzung der Mauer, Abschlagen des Mörtels, Verfüllung der Fugen und Risse, die während der vorherigen Arbeiten belassen wurden, Rekonstruktion eines Teils der Fassade der Mauer, Ausführung einer Entwässerungsanlage, Kennzeichnung des ursprünglichen Verlaufs der Mauer, Imprägnierung; Ausführender der Arbeiten: Bau- und Denkmalschutzbetrieb „Gotyk” S.C. Toruń sowie Jacek Buchholz – Konservierung von Denkmälern und Kunstwerken, Toruń; Auftraggeber der Arbeiten: Stadtamt Płock.

Trotz der durchgeführten Maßnahmen gelang es nicht, die destruktiven Prozesse in der denkmalgeschützten Bausubstanz der Mauer aufzuhalten.

- 2006: Aktuell befindet sich die Mauer in einem schlechten technischen Zustand, mit eindeutigen Verlusten, Spuren von Wasserläufen und Feuchtigkeit. Auf einem Teil der Wand sind die Vervollständigungen und die Proben der Sicherung der Mauer von oben durch eine Kappe aus Zementmörtel sichtbar.

In den Jahren 1987 – 88 führten die Mitarbeiter des Instituts für Archäologie der Universität Warschau Ausgrabungsuntersuchungen an mehreren Stellen durch, die auf der Linie des rekonstruierten Verlaufes der Stadtmauern gekennzeichnet wurden und zeigten, dass die Abrissmaßnahmen der Fortifikationen durch die preußischen Behörden sehr genau durchgeführt wurden, da von den Fundamenten der Mauern im Grund genommen nur einzelne Steine verblieben. Eine der Ausgrabungen wurde rechtwinklig zum erhaltenen Fragment der Mauer auf dessen Außenseite angelegt und durch eine kleinere Ausgrabung ergänzt, welche das südöstliche Ende der Mauer erfasste.

Auf Grundlage der Ausgrabungsuntersuchungen wurde die ursprüngliche Breite der Verteidigungsmauer festgestellt, die Breite des Geländes zwischen der Mauer und der Böschung des Stadtgrabens ermittelt sowie die Reste der Kellerräume eines Holzgebäudes dokumentiert, dass an die Außenfassade der Mauer angebaut wurde. Leider ging die originale Geländedokumentation verloren und die damaligen Berichte sind meist sehr lakonisch – es wurde angeblich festgestellt, dass die tatsächliche Stärke der Mauer aus dem 14. Jahrhundert 2,40 m am Fundament und 1,90 m im oberirdischen Teil betrug.

Im Jahre 1990 wurden archäologische Untersuchungen am Bielska-Tor durchgeführt, bei denen das Vortor entdeckt wurde (zu welchem es keinerlei geschriebene oder ikonographische Quelleninformationen gibt). Es wurde zudem ein vollständiger Abriss des Tores und der an dieses angrenzenden Mauerabschnitte im 19. Jahrhundert festgestellt. Zusätzliche ergänzende Untersuchungen wurden acht Jahre später aufgenommen.
 
 

Stich Bielska-Tor

Visualisierung

Visualisierung

 
 
 
 

Heritage Management

Das Objekt besitzt einen individuellen Eintrag im Denkmalregister (Nr. 53/184/59 W, Datum des Eintrags: 16.11.1959) und befindet sich zudem in den Grenzen des architektonisch-städtebaulichen Stadtkörpers, der in das Denkmalregister unter der Nummer 51/182/59 W eingetragen sind (Datum des Eintrags: 16.11.1959), was bedeutet, dass das Gebäude streng denkmalgeschützt ist.

Kontakt:
Agencja Rewitalizacji Starówki Sp. z o.o.
(Agentur zur Revitalisierung der Altstadt GmbH)
Stary Rynek 19
09-400 Płock
 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis

Die erste (obwohl nur kurze) Besprechung der Geschichte der Płocker Stadtmauer stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist im „Geographischen Wörterbuch des Königreichs Polen“ [Słownik Geograficzny Królestwa Polskiego] enthalten. Hier wurden ihre Abmaße (nach dem Dokument von Kazimierz Wielki) genannt, die Tore aufgezählt und das Datum des Abrisses der Fortifikationen angegeben.
Mehr Informationen brachte dagegen die Monographie des Bischofs Antoni Nowowiejski, der die polnische Übersetzung des Königsprivilegs aus dem Jahre 1353 und eine Beschreibung der Fortifikationen aus dem 17. Jahrhundert veröffentlichte, das Datum des Abrisses der Mauern sowie die genaue Lage des bis heute erhaltenen Fragments der Verteidigungsmauern angab.

Im Zeitraum nach dem 2. Weltkrieg wurde das Thema der Stadtmauer im „Geschichtlich-städtebaulichen Studium zum Raumordnungsplan der Stadt [Studium Historyczno – Urbanistycznym do planu zagospodarowania miasta] aus dem Jahre 1954 sowie in zwei nicht veröffentlichten Ausarbeitungen von Michał Witwicki aus den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgegriffen („Historisch-städtebauliches Studium der Stadt Płock“ [Studium historyczno – urbanistyczne miasta Płocka] sowie „Denkmalschutzgutachten der Relikte der mittelalterlichen Stadtbefestigungen von Płock“ {Ekspertyza konserwatorska reliktów średniowiecznych obwarowań miasta Płocka]).

Oben genannte Ausarbeitungen fußten auf schriftlichen Quellen und der ehemaligen Kartographie.
Die direkten Untersuchungen beschränkten sich auf die von Michał Witwicki identifizierte Bastei an der ul. Zduńska 13a, die vom Putz befreit wurde, um die originalen, mittelalterlichen Partien der Stadtbefestigung darzustellen.

Vollständigere Informationen zum Thema der Płocker Verteidigungsmauern finden sich in der Monographie“ von Jarosław Widawski aus dem Jahre 1973 unter dem Titel „Stadtverteidigungsmauern im polnischen Staat bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts“ [Miejskie mury obronne w państwie polskim do początku XV w.].