Seite drucken

Klosterruine, Eldena / Greifswald (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Eines der bekanntesten Greifswalder Objekte auf der Europäischen Route der Backsteingotik stellt die Ruine des um 1200 gegründeten Zisterzienserklosters Eldena ca. 5 km östlich der Greifswalder Altstadt dar. Berühmt geworden sind die erhaltenen Bauteile vor allem durch die Darstellungen des in Greifswald geborenen Malers Caspar David Friedrich (1774-1840), des bedeutenden Malers der deutschen Romantik, der die monumentale Westfassade der einstigen Klosterkirche häufig in den Mittelpunkt seiner Bilder stellte.

Im Zuge der dänischen Expansionsbestrebungen während des späten 12. Jahrhunderts kam es im südlichen Ostseeraum zu einer Reihe von Klostergründungen durch den Zisterzienserorden, mit deren Hilfe die neu eroberten bzw. zu beherrschenden Gebiete sowohl wirtschaftlich wie auch kirchlich und kulturell erschlossen werden sollten. Neben den hinterpommerschen Abteien Kolbatz (1173) und Oliva (1186) waren es 1172 das Kloster Dargun in Mecklenburg und nach dessen Zerstörung um 1199 das Kloster Eldena im heutigen Vorpommern. Alle vier Filiationen wurden zunächst mit Mönchen aus dem 1153 gegründeten dänischen Mutterkloster Esrom (Seeland) besetzt und mit provisorischen Bauten aus Holz ausgestattet.

Nachdem durch Papst Innozenz III. im Jahre 1204 die Klostergründung „Hilda“ (seit dem späten 14. Jahrhundert Eldena) bestätigt worden war, entstanden von 1210/15 bis 1245 die ältesten noch erhaltenen Bauteile von Chor, Quer- und Langhaus der Klosterkirche im Stil der rheinländisch-dänisch beeinflussten Spätromanik. Bei der Errichtung des wich-tigsten Teils der Kirche, dem Chor, verwendete man ein Grundrissschema, das auf den großen geistigen Führer des Zisterzienserordens, den Hlg. Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153), zurückgeführt und deshalb als „Bernhardinischer Plan“ bezeichnet wird. Innerhalb der älteren Kirchenostteile belehnte 1249 der Eldenaer Abt Sueno II. den Pommernherzog War-tislaw III. mit der 1248 erstmals erwähnten Ansiedlung Greifswald, die von letzterem im Jahr 1250 das Lübische Recht erhielt. Ab 1255 entstand der massive Klausurbereich, bis 1265 der heute noch mit allen Umfassungsmauern erhaltene Ostflügel. Nach der Errichtung von Süd- und Westflügel (bis 1280/90) erfolgte erst um 1400 mit einem umfangreichen Ausbau von Kirche und Klausur die Fertigstellung der steinernen Klosteranlage. Neben einigen Pfeilerstümpfen ist es vor allem der mit glasierten Backsteinen reich ausgeschmückte Westabschluss der Kirche, der noch heute die Blütezeit des Klosters dokumentiert.

Nach 1535 wurde die säkularisierte Anlage in ein herzogliches Amt umgewandelt, das durch funktional bedingte bauliche Veränderungen am Ende des 16. Jahrhunderts Residenzcharakter trug. 1634 wurden der Gebäudekomplex sowie die zugehörigen Ländereien der 1456 gegründeten Greifswalder Universität übertragen. Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg sowie fehlende Mittel für Reparatur- und Erhaltungsmaßnahmen führten zum Verfall der Kirchen-, Klausur- und Wirtschaftsgebäude, die bereits in den 1650er/60er Jahren als Stein-bruch dienten, um die in der näheren Umgebung während des Krieges beschädigten kleineren Dorfkirchen, aber auch Wehr- bzw. Verteidigungsanlagen zu reparieren bzw. neu zu errichten. In den 1640er Jahren fanden in den Ostteilen der Kirche letzte Gottesdienste statt, vor 1690 existierte dort schon ein kurze Zeit später wieder beseitigter Brennofen zur Herstel-lung von Dach- und Backsteinen, die in der Sakristei zwischengelagert wurden. 1728-32 ließ die Universitätsverwaltung große Teile des Chores und Querhauses abbrechen, um mit dem gewonnenen Steinmaterial Greifswalder Professorenhäuser zu erneuern. Noch um 1800 erwog sie den endgültigen Abbruch aller verbliebenen aufgehenden Mauerteile. Zahlreiche Zeichnungen und Gemälde Caspar David Friedrichs machten jedoch bald darauf die ruinösen Bauteile europaweit bekannt und führten zu ihrer Sicherung und Konservierung innerhalb einer bis heute erhaltenen, in ihrer Gestalt jedoch mehrfach veränderten Parkanlage.
 
 
 
 
 
 

Besonderheiten

Vom ältesten Bauteil der Kirche, dem Chor, ist nur noch der untere Bereich der Südmauer erhalten, die als die älteste Backsteinmauer auf dem festländischen Gebiet Vorpommerns gilt. Sie ist zugleich ein bedeutsames Zeugnis für die Einführung der Backsteintechnik in Pommern durch den Zisterzienserorden.

Eine weitere Besonderheit findet sich an der Südmauer des östlichen Langhausjoches. Auf deren Nordseite sind oberhalb der beiden spitzbogigen Öffnungen zum ehemaligen südlichen Seitenschiff die Mündungsbereiche ursprünglich in die Mauer eingelassener Gefäße zu sehen. Es handelt sich um insgesamt fünf Kannen oder Krüge, die liegend vermauert wurden und im Mauerinneren einen Durchmesser von jeweils ca. 30 Zentimetern erreichen. Die Art der Gefäßanordnung innerhalb der Mauerfläche - zunächst vier in ei-ner Backsteinlage, dann ein weiteres mauermittig positioniert einige Schichten darüber - verweisen auf einen bestimmten Verwendungszweck. Ob sie allerdings als sogenannte „Schalltöpfe“ der Klangverstärkung liturgischer Gesänge und Lesungen dienten oder symbolische Bedeutung hatten, ist bislang nicht hinreichend untersucht.

An der Innenseite der Westmauer des Klausurostflügels ist im Bereich der ehemaligen Sakristei der älteste bekannte Grabstein Mecklenburg-Vorpommerns eingemauert. Er wurde in den 1280er Jahren für Nikolaus Friso, einen Förderer des Klosters, angefertigt und war ursprünglich in den umlaufenden Buchstabenfeldern mit farbigen Mörtel- bzw. Metallinkrustati-onen versehen.
 
 
 
 
 
 

Nutzung

Nach den ersten Aufräumungsarbeiten und Sicherungsmaßnahmen von 1827-31 wurde um die aufgehenden Ruinenteile herum eine stimmungsvolle Parkanlage nach Entwürfen von C. F. Hallliger, Hofgärtner des Fürsten zu Putbus, gestaltet, in die 1837/39 nach einem Brand der bis dahin noch als Scheune genutzte ehemalige Klausurostflügel mit einbezogen wurde. Mit der Gründung einer zweiten akademischen Bildungsanstalt für Greifswald, der „Königlichen Staats- und landwirthschaftlichen Akademie Eldena“, erlebte auch das Dorf El-dena einen beachtlichen Aufschwung und wurde nach dem Ausbau der Chausseestraße nach Greifswald ein beliebtes Ausflugsziel. Bereits für das Stiftungsfest der Akademie am 30. Juni 1836 wurde die Ruinenanlage in die Feierlichkeiten eingebunden und festlich ausgeschmückt. Für die 1930er Jahre sind dann Überlegungen bekannt, die historische Kulisse dauerhaft in den Sommermonaten für künstlerische Aufführungen zu nutzen. Doch erst 1969 wurde der Nordteil des Ostflügels für kulturelle Veranstaltungen genutzt, wie z. B. für die seit 1980 jährlich stattfindenden Eldenaer Jazz-Evenings.
 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

1204-1535 Zisterzienserkloster im Herzogtum Pommern (ab 1295 Pommern-Wolgast) und Bistum Kamin; 1535-1634 sind die ehemalige Klosteranlage und der zugehörige Grundbesitz Eigentum des Herzogs von Pommern-Wolgast; von 1634 bis 1939 Universitätsbesitz; im Zuge eines Gütertausches und der nachfolgenden Eingemeindung Eldenas sind das Ruinengelände und die Parkanlage seit l939 Eigentum der Kommune Greifswald.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Neben den gesetzlich zuständigen staatlichen Denkmalbehörden sind seit 1853 Greifswalder Universitätsprofessoren, seit 1936 konkret der Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte ehrenamtlicher Konservator der erhaltenen Ruinenteile. 1885 wurde vermutlich auf seine Veranlassung hin das seit 1578 zugesetzte Westfenster der ehemaligen Klosterkirche wieder geöffnet und damit die in Caspar David Friedrichs grafischem und malerischem Werk zu Beginn des 19. Jahrhunderts dargestellte Vision verwirklicht. In den Jahren um 1890/1900 fanden Sicherungsmaßnahmen an Mauerkronen und Wandflächen der verbliebenen Bauteile statt. Weitere Mauerwerksreparaturen erfolgten in den 1920er/30er Jahren sowie 1969 im Zuge des Tribüneneinbaues. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag der Klostergründung wurden von 1996 bis 1999 wiederum umfangreiche Sicherungs- und Erneue-rungsarbeiten im Bereich der Mauerkronen durchgeführt. Die bereits am Ende des 19. Jahrhunderts auf den Mauern angelegte Bepflanzung wurde wiederhergestellt, und somit der romantische Gesamteindruck bewahrt.

Im 20. Jahrhundert war das Ruinengelände mehrfach Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschungen. 1926/27 und 1995-2000 erfolgten umfangreiche archäologische Ausgrabungen, die durch architekturgeschichtliche Untersuchungen zu den aufgehenden Mauerteilen ergänzt wurden. Sie ermöglichten einen Rekonstruktionsversuch der Grundrisse von Kirche und Klausur sowie genauere Aussagen zur Baugeschichte der Klosteranlage. Im Rahmen eines vom Stadtbauamt der Universitäts- und Hansestadt Greifswald begonnenen und durch das „Büro für bauhistorische Untersuchung und Dokumentation – Arbeitsgemeinschaft A. Lutze & D. Brandt GbR“ betreuten Inventarisationsprojektes für eine mittlerweile über 12000 Stücke umfassende Formsteinsammlung konnten auch wichtige Exemplare aus Eldena erfasst werden.

(Autoren: Andrè Lutze, Dirk Brandt)
 
 
 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis