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Kloster, Rehna (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

- 1200 Errichtung der spätromanischen Backsteinkirche
- 1230-36 Gründung des Benediktinerinnenklosters als Tochter des Domkloster Ratzeburg
- 1319 Wechsel zum Prämonstrantenserorden
- Seit dem 12.Jh. gehörten 23 Dörfer zum Kirchspiel Rehna
- 1335/44 erreicht der Wert aller Einkünfte und Erträge des Rehnaer Klosters den Höchstwert (500 Mark lübischen Pfennige)
- 1456 Weihurkunde des Altars und der Kirche zu Rehna
- 1552 Auflösung des Klosters
- 1576 wird das Amt Rehna zum Leibgedinge der Herzogin Anna Sophia
- Um 1600 Umbau des „Langen Hauses“ zum „Schloss“
- 1734 – 68 wird das Amt Rehna an Hannover verpfändet
- 30. Am 5.1791 erhält Rehna eine Stadtordnung und ein landesherrliches Stadtgericht
- 1878/79 wird der Südflügel des Kreuzganges zum Gefängnis umgebaut

Nach dem 2. Weltkrieg wird das „Lange Haus“ als Schule eingerichtet.
Die katholische Kirche nutzte bis 1969 den Gästerefektorium für Gottesdienste, danach wurde er Turnhalle der Schule.

Seit 1998 wurde durch den Klosterverein mit ersten Aufräumarbeiten begonnen.
Der Klosterverein richtet all seine Aktivitäten auf sein Hauptziel, das Kloster zusammen mit Kunstschaffenden und Kunstinteressierten zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.
 
 

Kirchturm

Nordkreuzgang

 
 
 
 

Besonderheiten

Kirche

Rehna ein Kleinod in Nordwestmecklenburg, liegt eingebettet in sanfter Hügellandschaft im romantischen Radegasttal und zählt zu den ältesten Ortschaften Mecklenburgs. Urkundlich erwähnt wurde Rehna zuerst im Zehntenregister der Bischöfe vom Domkapitel Ratzeburg. Das Gründungsjahr des Klosters liegt zwischen 1230-1236. Es wurde als Nonnenkloster nach den Regeln des Heiligen Benedikts gegründet. 1319 bekannte man sich zum Orden der Prämonstratenser. Durch viele Landschenkungen und hohe wirtschaftliche Effizienz wurde das Kloster zu einem der angesehensten im Bistum Ratzeburg. 1335/44 erreichte der Wert aller Erträge und Einkünfte den Höchstwert.

Ein großer Teil der romanischen Kirche ,einem spätromanischen Bauwerk aus dem Beginn des 13.Jh. welcher zu den frühesten Zeugnissen der Backsteinarchitektur im nordwestlichen Mecklenburg zählt, entstand um die Mitte des 15.Jh. entstand die ehemalige Klosterkirche St.Maria und Elisabeth als stattlicher einschiffigen Backsteinbaus. Besonders auffallend ist das Rundbogenportal mit farbig glasierten Steinen im Wechsel mit Rotgebrannten, eines der bedeutendsten Norddeutschlands dieser Zeit.

Zur besonderen Ausstattung der Kirche zählt der um 1520 entstandene spätgotische Schnitzaltar von dem Lübecker Künstler Kramer. Die bemalten Seitenflügel befinden sich seit der Generalsanierung 1851 im Schweriner Museum. Auch wurde der Altar zu einem neugotischen Werk umgestaltet. Weiterhin sind im Langhaus 1960 Reste alter Wandmalereien freigelegt worden. Die ältesten entstanden 1330/40 und zeigen Bilder aus dem Leben Jesus Christi, diese wurden teilweise durch spätgotische Malereien ca. 1450 überdeckt. Hier werden Heilige, Propheten und Bischöfe dargestellt. Unterhalb dieser Malereien befand sich die Nonnenempore. Das Motiv der Rankmalereien finden wir in der gesamten Klosteranlage wieder. Auch in der Propstei, welche Bestandteil des Propsteihofes ist, wurde eine sehr qualitativ wertvolle mittelalterliche Malerei Anfang des 15 Jh. freigelegt. Dargestellt ist Maistas domini- der trohnende Christus in der Mandorla, umgeben von zwei knienden anbetenden Figuren, über denen Engel mit Trompeten schweben. Weitere Ausstattungsstücke in der Kirche ist die Triumphkreuzgruppe aus dem 17. Jh., ein siebensitziges Chorgestühl entstanden zwischen 1441-1448, der zehnarmigen Messingleuchter von 1666 gestiftet von einem ehemaligen Rehnaer Schuster, u.a.. Das jetzige Aussehen der Kirche mit dem Gestühl, der Kanzel und den Emporen ist das Ergebnis der Generalsanierung in der Zeit um 1850.

Das Kloster wurde 1552 aufgelöst und 1558 durch die Säkularisierung vom mecklenburgischen Herzoghaus übernommen. Von 1576-1734 gehörte es zum Leibgedinge des Herzogenhauses und diente als dessen Witwensitz. In der jüngsten Vergangenheit erfuhr die Anlage über Gefängnis, Gericht, Forstamt und Schule verschiedene Nutzungen.

Klosteranlage

Der Bau der Klosteranlage bzw. die Erweiterungen und Umbauten werden zum größten Teil auf den Zeitraum von 1254 bis ca. 1430 datiert. In dieser Zeit entstanden auch die Kreuzrippengewölbten Kreuzgänge. Von denen heute noch drei erhalten sind. Ursprünglich waren alle Kreuzgänge zweigeschossig. Das Dormitorium, der Kapitelsaal und das Refektorium gingen schon kurze Zeit nach der Säkularisation verloren. An den südlichen Kreuzgang schließt sich das Lange Haus an und das Gästerefektorium. Das Gästerefektorium ist der am besten erhaltende Raum der Klosteranlage. Er wurde 1424 mit 6 Kreuzgewölben errichtet und weist dekorative Wand und Deckenmalereien auf. Die plastisch gestalteten Sockelsteine weisen als Motiv die 5 klugen und die 5 törichten Jungfrauen auf und geben dem Raum eine besondere Zier.

Klostergarten

Seit August 2004 gibt es den Klostergarten St. Maria & Elisabeth. Dessen Herzstück bildet der Vier-Themen-Garten mit Heilpflanzen, Duftpflanzen, Blütenpflanzen und dem Bibelgarten mit den Symbolpflanzen der Kirchengeschichte. Momentan wird die Anlage um ein Hildegard von Bingen Beet erweitert. Eine weitere Attraktion ist der Kirchplatz. Unter den imposanten Linden befinden sich ständig in Veränderung befindliche künstlerisch gestaltete Ornamente – ein Kunstobjekt der besonderen Art.
 
 

Portal

Malerei 15. Jh.

Altar

Gästerefektorium

Gewölbebau

 
 
 
 

Nutzung

Durch vielfältige Veranstaltungen, wie Puppentheater, Konzerte, Ausstellungen, Baum- und Kräuterwanderungen, Klosterfest, Martensmannfest u.a. für Groß und Klein, verteilt über das ganze Jahr, wird die Anlage belebt. Regelmäßige Führungen jeden ersten Sonnabend im Monat, von April bis Oktober, um 14.00 Uhr sowie angemeldete Führungen vermitteln eine Vorstellung über das klösterliche Leben und die kulturhistorische Entwicklung der Anlage. Einige Bereiche der Anlage wie das Gästerefektorium und das Priorhaus sind nur mit einer Führung zu besichtigen.
 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Die Anlage ist zum größten Teil im Besitz der Stadt Rehna. Die Kirche und der nördliche Kreuzgang sind Eigentum der evangelischen Kirchgemeinde Rehna.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Seit 1996 werden Teile der Klosteranlage saniert und restauriert und teilweise als Verwaltungsgebäude des Amtes genutzt.

Momentan befinden sich der östliche und südliche Kreuzgang sowie das Propsteigebäude in der Sanierung. Dabei wurden die während des letzten Jahrhunderts eingebauten Zwischenwände und teilweise Decken sowie sonstige Einbauten entfernt. Es entstanden die alten Raumstrukturen , welche bei den Sanierungsarbeiten im Langem Haus sowie mit dem dazugehörigen Nord- und Südflügeln bei der Planung beachtet wurden, hier fand ein Bildungsträger sein neues zu Hause, sowie Räume für die die Verwaltung des Amtes und ein Veranstaltungsraum.

Begleitet wurden diese Arbeiten durch Archäologen und Bauforscher sowie einer Restauratorin, welche exakte Bestimmungen an Hand von Bodenfunden und Bauphasen, sowie der Wand- und Deckenfarbfassungen analysierte, welche in einem Buch veröffentlich werden.

In den Jahren 2004 bis Ende 2006 erfolgte die Sanierung der Kreuzgänge Süd und Ost, dabei geht es vorrangig darum den Gästen und Besuchern einen Rundgang durch die Klosteranlage zu ermöglichen, hier bei geht es um die statische Sicherung, der Sanierung der Dachkonstruktionen und Dachhaut, die vorhandenen Wandmalereien aus dem 15.Jahrhundert werden gefestigt.
 
 

Malerei

 
 
 
 

Heritage Management

Kirche, Klosteranlage und Klostergarten sind auf Grund großen ehrenamtlichen Engagements des Klostervereins Rehna e.V. ganzjährig zu besichtigen. Anlaufpunkt für Besucher ist die attraktive Kloster- und Stadtinformation auf dem Kirchplatz. Hier erhalten Sie Informationen über Kloster, Stadt und Region. Der Klosterverein bemüht sich seit 1998 intensiv, um die kulturelle Belebung und um die zunehmende Akzeptanz bezüglich der Erhaltung dieses wertvollen Kulturschatzes. So konnten die Besucherzahlen in den letzten Jahren ständig erhöht werden. Das persönliche Angagment der Rehnaer Bürger und die ständige Weiterentwicklung der Anlage sowie der touristischen Angebote, begeistert die Besucher. Durch Vernetzung zum Bsp. über Wege zur Klostergartenkultur in Norddeutschland, den Wanderweg Klosterdreieck Ratzeburg Rehna Zarrentin oder die Klosterroute Mecklenburg Vorpommern wird auch die Attraktivität erhöht.

(Autorin: Liane Kreuzer)
 
 

S-Flügel Langes Haus

 
 
 
 

Literaturverzeichnis