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Kloster Sonnenkamp, Neukloster (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Das Kloster Sonnenkamp:
Die Geschichte Neuklosters beginnt im Jahre 1219 mit der Umsiedlung des 1211 gegründeten Nonnenkloster St.Maria und St. Johannes von Parchow bei Westenbrügge in die schützende Nähe der damaligen Burg Cuszin. Die Klosterstiftung erhielt den Namen campus solis, Sonnenkamp, der jedoch bereits nach 1250 von der auf die Umsieldung zurückzuführenden Bezeichnung Neukloster verdrängt wurde. Sonnenkamp wurde nach der Regel des Hl. Benedikt gegründet.

Mit der Gründung des Klosters St. Maria im Sonnenkamp begann die Erbauung der gleichnamigen Klosterkirche. Die Altarweihe durch Bischof Brunward von Schwerin erfolgte im Jahre 1236. Nach 1245 nahm der Konvent die Zisterzienserregeln an. Das Kloster hatte im Jahre 1362 seine größte Ausdehnung. Es verwaltete bis zu dreißig Dörfer, vier Wirtschaftshöfe und mehrere Mühlen. Die Nonnen unterhielten eine Klosterschule, leisteten Krankenpflege und gewährten Durchreisenden Unterkunft.

Um 1400 wurde die Klosteranlage erweitert. Ein 8m hoher achteckiger Backsteinbau mit Spitzbogenportalen an jeder Seite wurde errichtet. Die damalige Nutzung ist heute nicht mehr bekannt. Das Propsteigebäude mit angrenzendem Wirtschaft- und Verwaltungshof wurden gebaut. 1461 erfolgte die Anschaffung einer Marienglocke und 1500 die Aufstellung des Altars Maria im Strahlenkranz auf der Nonnenempore.

Im Jahre 1555 wurde der Konvent aufgehoben und es folgte die Säkularisierung des Klosters. Herzog Ulrich von Mecklenburg übernahm als Feudalherr den Klosterbesitz und stellte
im Jahre 1586 Mittel für die Aufstockung des achteckigen Backsteinbaues zum Glockenturm mit nunmehr 24 m Höhe frei.
Aus dem Jahre 1592 wird bereits vom einsetzenden Verfall einzelner Klostergebäude berich-tet. Nach dem Tod der letzten Nonne um 1600 wurde der Abbruch der Klosteranlage fortgeführt. Lediglich die Klosterkirche, das Propsteigebäude, der Glockenturm und ein Rest des sog. Brunshaupt blieben erhalten.

1648 fiel das Amt Neukloster an Schweden und ein kgl. Schwedisches Amtsgericht wurde errichtet. Die Verpfändung Neukloster für 100 Jahre erging im Jahre 1803, wobei auf die Einlösung 1903 seitens der Schweden dann verzichtet wurde. Während der Zeit der Schwedenherrschaft sind keine baulichen Veränderungen überliefert worden.

Die Klostergebäude dienten in der Folgezeit als herzogliches Amt, als schwedisches Amtsgericht und als Sitz der Verwalter und Pächter. Die Klosterkirche wurde nach der Reformation als evangelische Kirche genutzt.

Die erste Restaurierung der Klosterkirche erfolgte im Jahre 1865. Im Zuge dieser Renovierung wurden u. a. große Teile des Innenraumes im neugotischen Stil ausgestaltet. 1911 wurde die Domäne auf dem Klosterhof abgeschafft, das Ackerland und die Wiesen aufgeteilt und verpachtet bzw. an den Flecken Neukloster übergeben. Auf dem Klosterhof erhielt das Forstamt seinen neuen Sitz.

1938 erhält Neukloster das Stadtrecht. Der Forstwirtschaftbetrieb wird 1957 nach Wismar verlegt und im Propsteigebäude werden Kindergarten, Kindergrippe sowie eine Entbindungsstation untergebracht. Im Jahre 1988 erfolgte der Ausbau des Klosterkellers zum Jugendklub. Ein Jahr später, 1989, wurde der Glockenturm durch Brandstiftung zerstört.

Nach der Wende erhielten die Klostergebäude samt Kirche durch eine Vielzahl an Sanierungs-, Restaurierungs- und Wiederaufbauarbeiten den heutigen Zustand und werden weiterhin als Kindergarten, evangelische Kirche und Glockenturm genutzt.
 
 

Nordwand

Giebel

 
 
 
 

Besonderheiten

Ehem. Klosterkirche St. Maria und St. Johannes:
Die der heiligen Jungfrau Maria und dem heiligen Johannes Evangelista geweihte Kirche zu Neukloster wurde zwischen 1219 und 1240 im Baustil der Spätromanik errichtet. Viele Details erinnern an die Dome von Ratzeburg und Lübeck.

Die ehemalige Klosterkirche ist ein einschiffiger kreuzförmiger Backsteinbau. Ursprünglich vorhandene Bauteile wie ein basilikales Seitenschiff an der Nordwand und Kapellen, die sich an den Kreuzarmen und dem Chorquadrat befanden, sind nach der Säkularisation 1555 entfernt worden. Die Gliederung der Wandflächen des Außenbaues ist bestimmt durch Ecklisenen, Rundbogenfriese, lanzettförmige Fenster und rundbogige Portale mit jeweils eingestellten Säulen im Gewände. Als besonderen Schmuck weisen die Giebelflächen ein fischgrätenähnliches Muster auf, das sog. opus spicatum. Es wurde teilweise aus glasierten Ziegeln gebildet. Durch diese qualitätsvollen architektonischen Details vermittelt das Bauwerk die Stilmerkmale der Spätromanik in einer reinen, schlichten Form von eindrucksvoller Größe und ist beispielgebend für zisterzienserisch beeinflusste Kirchenbaukunst.

Im Innern sind die quadratischen Joche von Chor und Querschiff mit Kreuzgratgewölben überspannt. Das Langhaus ist mit einer aufwendig gestalteten Holzbalkendecke versehen. Diese wurde im 19. Jahrhundert eingezogen. Vermutlich war das Langhaus aber bereits im Mittelalter mit einer flachen Holzbalkendecke gedeckt.
Bei der Restaurierung der Kirche 1865-67 erneuerte man den Westgiebel (Anbringen der Kreuzform), entfernte die noch vorhandene Nonnenempore, errichtet den Dachreiter über der Vierung und schuf die bereits erwähnte Decke über dem Langhaus sowie die Schmuck-leisten an den Wänden neu. Die Ausgestaltung erfolgte im Stil der Neogotik.

In der hohen Dreifenstergruppe des Chores sind die Reste der mittelalterlichen Verglasung untergebracht. Diese stammen aus der Zeit um 1250, als in 16 Fenstern des Langhauses farbige Glasmalereien eingebaut wurden. Die spätromanischen Glasbilder sind eine der ältesten und bedeutendsten erhaltenen Kunstwerke dieser Art in Mecklenburg. Die Verglasung in Neukloster nimmt innerhalb der Glasmalerei des 13. Jh. eine Schlüsselstellung ein. Hier begegnet sich althergebrachtes romanisches Formengut mit einer neuen, die Gotik vorberei-tenden Gesinnung. So weisen die überschlanken, leicht geneigten Gestalten eine kräftige, derbe Strichführung auf, welche den Zackenstil der Romanik charakterisiert, dagegen wurden Gesichter und Hälse der Figuren durch Schattenlagen modelliert, sodass ihr Blick natür-licher und beseelter wirkt. Dargestellt sind fünf Standfiguren, bei denen es sich lt. Inschriften um den Apostel Matthias, die hl. Elisabeth, den Evangelisten Matthäus und die Heiligen Ma-ria Magdalena und Katharina handelt. An der Ostseite des Südquerarmes wurde in ein neu-es Fenster die sechste erhaltene Scheibe, ein Tondo mit dem Bildnis des Propheten Daniel, eingesetzt.

An die Klosterära erinnert heute noch der Marienaltar. Dieser wurde um 1500 von einem unbekannten Künstler geschaffen. Es handelt sich hierbei um einen Rosenkranzaltar, wel-cher auf einer geschnitzten Petrella aufgesetzt ist. Die Petrella beschreibt Szenen und Heiligenfiguren, die durch gedrehte Säulchen voneinander getrennt und von Maßwerkschnitzereien überfangen sind. Der Mittelschrein des dreiteiligen Flügelaltars beinhaltet die Darstel-lung der Kirchenpatronin Maria als Strahlenkranzmadonna. Der umlaufende Rosenkranz weist die fünf Wundmale Christi an Händen, Füßen und Herz auf. Im linken Flügel des Altars ist eine Anna-Selbdritt-Gruppe gezeigt, im rechten Flügel die Hl. Katharina mit Schwert und Rad.

Sonstige nennenswerte Ausstattungen der Kirche sind ein großes steinernes Brunnenbecken, mehrere Grabplatten und die 1989 beim Brand des Glockenturmes beschädigte, im Jahre 1752 gegossene und reich verzierte Barockglocke, welche sich heute im nördlichen Querhaus befindet.

Der Glockenturm:
Südlich der Kirche steht noch der achteckige, wohl um 1400 errichtete Backsteinbau mit Spitzbogenportal, welcher ursprünglich eine Höhe von 8m besaß. Die damalige Nutzung blieb bisher unklar. 1586 wurde er aufgestockt und als Glockenturm umgebaut. Er erhebt sich auf einem 8-seitigem polygonalem Grundriss, wobei sich ursprünglich an jeder Seite ein Eingang befand. Unter der Traufe sitzen rundbogige Doppelfenster, unter denen an der Südseite zwei Terracotta-Wappen von Herzog Ulrich von Mecklenburg und seiner Gemahlin ihren Platz haben. Das Dach setzt achtseitig an und endet in der Spitze als vierseitige Pyramide.
Das Gebäude brannte 1989 aus, konnte aber in den Jahren 1994 – 99 in alter Gestalt wieder aufgebaut werden. Die beiden Glocken erlitten starke Schädigungen, wobei die kleinere Marienglocke aus dem Jahre 1461 restauriert werden konnte. Die Barockglocke von 1752 befindet sich im Querschiff der ehemaligen Klosterkirche. An ihrer Stelle hängt nun eine Glocke von 1995. Seit 2002 enthält der Turm wieder drei Glocken und ein mechanisches Uhrwerk.

Das Propsteigebäude:
Ein weiterer Teil der Klosteranlage ist die Propstei. Erbaut 1410 als rechteckiger gotischer Backsteinbau war es das eigentliche Haupthaus. Hier residierte im Mittelalter die geistige Verwaltung des Klosters. Im gewölbten Keller befand sich ein Back- und Brauhaus.
Nach 1555 war es herzogliches Amt, schwedisches Amtsgericht, Sitz der Verwalter, Kinder-garten und Jugendklub (im Gewölbekeller).
Das lang gestreckte, 2-geschossige Gebäude besitzt Schaugiebel in Ost-West-Richtung. Diese Treppengiebel sind aufwendig und regelmäßig ausgeführt. Doppellanzettfenster, teilweise mit Blende, seitliche Wappenkartuschen, weißer Putz als Schmuck dienen zur einheitlichen Gliederung und Gestaltung des gesamten Ostgiebels. Abgetreppte Strebepfeiler, Putzblenden und Lanzettfenster bestimmen ebenfalls die Gestalt des Giebels an der West-seite, jedoch nicht ganz so regelmäßig. Verschiedene Umbauten im Laufe der Jahre lassen die ursprüngliche Raumstruktur nur noch schwer erkennen. Lediglich der massive kreuzrip-pengewölbte Keller ist in seiner Struktur erhalten. Mit seiner lichten Höhe von bis zu vier Meter liegt er nahezu längs des gesamten Gebäudes unterhalb Oberkante Gelände, welches aber in west- östlicher Richtung ansteigt.
An der Nordseite des Gebäudes befinden sich noch eingeschossige Reste des ehemaligen Brunshaupt. Die Propstei ist aber nur noch fragmental durch einen Mauerrest mit dem
ehemals zweigeschossigen Wirtschaftsgebäude verbunden. Hier befindet sich auch ein Durchgang zum ehemaligen Klostergarten, dem Jungfernteich und der Wasserquelle, welches beides bereits fachmännisch untersucht, archäologisch bewertet und dokumentiert wurde.
 
 

Marienaltar

Detail

Glasmalerei

Probstei

 
 
 
 

Nutzung

Die Propstei wird auch heute noch als Kindertagesstätte der Stadt Neukloster genutzt, wobei hier sämtliche Altergruppen von 0 bis 6 Jahre untergebracht sind. In der Kirche werden neben dem Gottesdienst auch Konzerte und touristische Führungen angeboten. Der Glockenturm wird wie zuvor genutzt und wirkt in dem historischen Ensemble von Museum, Friedhof, Klostergarten, Jugendscheune und Propstei als Wahrzeichen des neu entstandenen Klosterhofes.
 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Sämtliche Gebäude der ehemaligen Klosteranlage liegen im Eigentum der Stadt Neukloster. Die Kirche St. Maria und St. Johannes ist im Besitz der ev. luth. Kirche des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

In den letzten fünfzig Jahren wurden seitens der Kirche und der Stadt eine Vielzahl von Maßnahmen zur Erhaltung der Kulturgüter durchgeführt. So wurden bereits 1950/51 die wertvollen Glasmalereien geborgen, nachdem man sie zum Ende des zweiten Weltkrieges aus den hohen Südfenstern des Langhauses ausgebaut und im ehemaligen Klosterkeller untergebracht hatte, um sie vor der Kriegsgefahr zu sichern. Nach der Bergung wurden sie, mit Salzsäure gereinigt und in die Dreifenstergruppe der Chor-Ostwand eingefügt. Durch diese leider falsche restauratorische Maßnahme wurde 1995/96 dringend eine erneute Restaurierung und Sicherung der historischen Glasbilder notwendig, welche unter Mithilfe der Dtsch. Stiftung Denkmalschutz und des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Landesamt für Denkmalpflege, verwirklicht werden konnte.

Die Umbauten innerhalb des Propsteigebäudes erfolgten nahezu bei jeder Umnutzung. Hauptsächliche Veränderungen der gesamten Innenstruktur fanden während der Restaurierung 1904 statt. Mitte der 80er Jahre wurde der Gewölbekeller zum Jugendklub umgebaut. Eine umfassende Sanierung und Instandsetzung des Propsteigebäudes erfolgte im Jahre 1998. Hier wurden unter Aufsicht der Denkmalpflege und mit finanzieller Hilfe aus dem Landesprogramm u. a. die Ziergiebel und das gesamte Dach repariert, damit eine sichere Nut-zung als Kindertagesstätte weiterhin gewährleistet blieb.

Anfang 1994 wurde mit der aufwendigen Wiederherstellung des Glockenturms begonnen, welcher dann im Jahre 2000 unter Zuwendung zahlreicher Spenden fertig stellt werden konnte.

(Autorin: Liane Kreuzer)
 
 
 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis