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Stadtbefestigung, Olsztyn (Polen)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Die Geschichte der Befestigungsanlagen der Stadt beginnt mit der Geschichte Allensteins Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Stadt bereits ein Verteidigungssystem hatte. Die ersten Befestigungsanlagen wurden aus Holz und Erde gebaut. Die Städtebauer wollten damals ein Verteidigungssystem bauen, das jenem der Burg vergleichbar war. 1353 erhielt Allenstein das Stadtrecht. Nach einer Erweiterung der Stadt nach Osten im Jahr 1378 wurde beschlossen, rund um die gesamte Stadt eine dauerhafte Verteidigungsanlage zu errichten.

Allenstein wurde in der Nähe einer bereits vorhandenen Burg und einer Mühle gegründet. Beim Bau der Stadt verließ man sich auf die natürlichen Verteidigungsanlagen der Landschaft, wie beispielsweise die Alle, die die Stadt gegen Süden und Westen hin absicherte. Im Osten und Norden der Stadt bot der Wassergraben den nötigen Schutz. Der Bau an den Verteidigungsanlagen der Stadt begann nach 1378, als die Stadt um den heutigen Bereich des Fischmarkts erweitert wurde. Die Stadtmauer war aus Stein und Ziegel und hatte Türme und Torhäuser.

Die Befestigungsanlagen waren mit dem Verteidigungssystem der Burg des ermländischen Domkapitels verbunden. Im Südosten verliefen sie bis zum Ende der Lelewela-Straße und entlang der Pieniężnego-Straße zur Alle, und von dort parallel zum Fluss bis zum Niedrigen Tor. In Richtung Norden setzten sie sich bis zur südöstlichen Ecke des Burgwalls fort. Rechteckige Mauertürme, die sich ins Innere der Burg öffneten, gehörten genau an jenen Stellen zum Burgwall, wo natürlicher Schutz am geringsten war. Ende des 15. Jahrhunderts wurde auf der Nord- und Ostseite der Stadt, wo nur der Wassergraben, aber nicht der Fluss Schutz bot, ein zusätzlicher niedriger Außenwall errichtet, was den Wassergraben am gegenüberliegenden Hang außerhalb des Stadtmauerrings befestigte. Dieser Außenwall war mit halbkreisförmigen Mauertürmen ausgestattet. Die St.-Jakobus-Kirche, beim östlichen Abschnitt der Stadtmauer gelegen, bildete ein weiteres Verteidigungselement.
Ausgerichtet an der Nord-Süd-Hauptachse wurden zwei Torhäuser errichtet, die den Zugang zur Stadt verwehrten: das Hohe Tor am Nordende und das Niedrige Tor im Süden. Das Mühlentor befand sich im nordöstlichen Teil der Mauer. Es wurde um 1783-1787 abgerissen. Das Niedrige Tor wurde 1807 entfernt.

Instandhaltungsarbeiten an den Stadtmauern wurden bereits im 18. Jahrhundert eingestellt. Die anderen Befestigungsanlagen verfielen langsam, vor allem dort, wo sie nicht dem Schutz von Wohngebäuden dienten. Ihre Baufälligkeit stellte eine Gefahr für die Bewohner dar, so dass sie auf eine sichere Höhe abgetragen und schließlich bis auf die Fundamente entfernt wurden. Die Teile der Häuser, die von den Anlagen geschützt wurden, wurden am längsten erhalten. Die Abrissarbeiten an den mittelalterlichen Befestigungsanlagen wurden Ende des 19. Jahrhunderts als Folge der Stadtentwicklung beschleunigt voran getrieben. Auf diese Weise wurden Baumaterial und Land für die weitere Entwicklung verfügbar.
 
 

Okopowa Straße

an der Jakobikirche

Kegelturm

 
 
 
 

Besonderheiten

Bis heute wurden keine Veränderungen an den Überresten der Verteidigungsanlagen der Stadt sowie an einem Teil der Schutzmauer der Burg vorgenommen. Die noch erhaltenen Überreste der Stadtmauer sind:

- Der Abschnitt mit dem Freilufttheater in der Okopowa-Straße
- Der Abschnitt beim Polnisch-Deutschen Zentrum
- Der Abschnitt entlang der Okopowa-Straße
- Der Abschnitt bei der Kreuzung von Okopowa und Kołłątaja-Straße hinter dem Club „Baszta“
- Die Abschnitte mit den Gebäuden auf der Kołłątaja-Straße mit den Hausnummern 15, 14, 13, 12 und 11, deren westliche Mauer entlang der Stadtmauergrenze errichtet worden war
- Der Abschnitt bei der Kreuzung Asnyka/Prosta und Piastowska-Straße, um 1960 wieder neu aufgebaut
- Der Abschnitt entlang der Piastowska-Straße zur Chrobrego-Straße an der Flussbiegung — 1980 wurden in der Piastowska-Straße Nr. 15, 16 und 17 Wohnhäuser entlang der Mauerflucht gebaut
- Der Abschnitt, in dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Gebäude in der Chrobrego-Straße 7 errichtet wurde — die Mauer ist im Keller des Gebäudes sichtbar
- Der Abschnitt entlang der Chrobrego-Straße, in dem Wohngebäude entlang der Mauerflucht errichtet wurden
- Der Abschnitt bei der St.-Jakobus-Kathedrale parallel zur Pieniężnego-Straße — hohe Mauer, Abschnitt mit einem kleinen Tor
- Der Abschnitt bei der St.-Jakobus-Kathedrale parallel zur Pieniężnego-Straße — Stein- und Ziegelmauer, niedrige Mauer 6,9m von der hohen Mauer entfernt, ein zylinderförmiger Turm ist noch erhalten
- Der Abschnitt an der Nordwestseite der Burgparkanlage in der Nähe der unlängst entdeckten Fundamente des Mühlentors
 
 

Straßenecke

Piastowska/Chrobrego Straße

Chrobrego Straße (2)

 
 
 
 

Nutzung

 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Die noch erhaltenen Teile der Stadtmauer werden seitens der Stadtregierung mit besonderer Pflege bedacht. Seit 1995 wurden einzelne Abschnitte der Mauer im Rahmen einer Architekturausstellung über die Erhaltung mittelalterlicher Stadtverteidigungsanlagen als Teil des Landschaftsbilds renoviert. Das umfangreichste Renovierungsprojekt hinsichtlich der Mauern war die Erhaltung des Hohen Tors, die 2003 zum 650. Jubiläum der Gründung von Allenstein abgeschlossen wurde.

Die Restaurierung des Hohen Tors umfasste neben den üblichen Maßnahmen zum Schutz der historischen Bausubstanz auch eine Neuausrichtung des Mauerabschnitts bei der Galerie, der die Einfriedung der heutigen Staromiejska-Straße bildete.
Interessante historische Lösungen und Strukturen, wie Mauertürme, Tordurchgänge und sogar bestimmte tragende Bogensegmente, wurden im Zuge der Arbeiten freigelegt. Es wurde versucht, den Charakter der Verteidigungsmauer der Stadt zu erhalten, indem man mehrere Meter der noch fehlenden Mauer bei der Kathedrale hinzufügte oder die Risse in den Ziegelabschnitten entlang der gesamten Länge der Mauer unbehandelt ließ. Zum Auffüllen der Ziegelsteinabschnitte wurden speziell ausgewählte Ziegelsteine verwendet. Da sich das Bodenniveau erheblich erhöht hatte, wurde überschüssiger Boden abgetragen, was Teile der Steinfundamente der Mauer freilegte.

Während der Arbeiten an der Verteidigungsmauer bei der Kathedrale war man bemüht, die historischen Ausführungen zu erhalten und die mittelalterlichen Verteidigungssysteme sichtbar zu machen — die doppelte Mauerlinie (ohne aber die ursprüngliche Höhe wieder herzustellen), die teilweise Rekonstruktion der Eindämmung des Außenhofs sowie die teilweise Restaurierung des Ziegelsteinabschnitts des Mauerturms an der Lelewela-Straße und des rechteckigen Turms beim Priorat der St.-Jakobus-Kirche. Die Pfarrgemeinde schloss sich den Konservierungsmaßnahmen der Kommunalregierung an und setzte die Arbeiten an den Mauerfragmenten in ihrem Grundbesitz fort. Nach Beendigung einer archäologischen Untersuchung im Bereich der niedrigen Mauer einschließlich des erhaltenen Rundturms (ursprünglich als später errichtete Bastion aus dem 15. Jahrhundert interpretiert) wurden Originalfragmente erhalten, die Turmspitze gestärkt und das Kegeldach ausgerichtet, um den Bau vor Niederschlägen zu schützen.

2005 wurden im Rahmen des Projekts „EuRoB II“ Reparatur- und Erhaltungsarbeiten am Mauerabschnitt beim Burgpark und dem Teil beim Polnisch-Deutschen Zentrum ausgeführt. Gegenwärtig wird am Mauerabschnitt entlang der Okopowa-Straße gearbeitet.

(Autorin: Urszula Ulatowska)
 
 

Vor der Sanierung

Hohes Tor

entlang der Okopowa Straße

 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis