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Rathaus, Lüneburg (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Das Lüneburger Rathaus ist eines der bedeutendsten Rathäuser in Norddeutschland. Seine Anfänge gehen in das 13. Jahrhundert zurück. Architektur und Raumausstattung spiegeln die politische Entwicklung und die wirtschaftliche Stellung Lüneburgs wider.
Das Rathaus besteht aus mehreren, seit dem hohen Mittelalter entstandenen Gebäudekomplexen. Das Gewandhaus, in dessen Obergeschoss heute das Ratsilber gezeigt wird, entstand in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde die angrenzende Gerichtslaube mit Fenstern der Zeit um 1410 und Ausmalungen der Renaissance fertig gestellt. Die kleine Bürgermeisterkörkammer weist eine einmalige Holzvertäfelung und Fenster des späten 15. Jahrhunderts auf. Mitte des 15. Jahrhunderts schuf der Rat den großen Fürstensaal, der als Tanzhaus mit Gemälden der Fürsten des Hauses Braunschweig-Lüneburg und gewaltigen Geweihleuchtern ausgestattet wurde. Die Große Ratstube entstand in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sie besticht durch ihre Schnitzereien und Gemälde.
 
 

Rathaus Lüneburg

 
 
 
 

Besonderheiten

Der Fußboden in der Gerichtslaube besteht aus rautenförmigen Ziegelformsteinen, die abwechselnd braun glasiert und rot sind. Dazwischenliegende quadratische Felder sind mit weißem Gipsestrich verfüllt, und mit bläulich-grauen eingelegten Löwen und Vierpässen geschmückt. Der Fußboden stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Im südlichen Teil des Raumes befinden sich im Bereich des Ratsgestühls glasierte Fliesen mit Spitzoval-Blütenmotiv (mit Lochsteinen für Warmluftheizung). Im Bereich daneben ist der Fliesenbelag im 19. Jh. erneuert worden.
Der Fußboden der Alten Kanzlei ist ein Tonfliesenboden aus diagonal verlegten Platten. Im hinteren Raum ist er noch vollständig original erhalten. Im vorderen Teil sind am Rand noch glasierte und im Farbwechsel verlegte Platten erhalten.
 
 

Blick in die Gerichtslaube

 
 
 
 

Nutzung

Die Fußböden in der Gerichtslaube und in der Alten Kanzlei gehören zu den ältesten erhaltenen Fußböden des Rathauses Lüneburg. Sie sollen aus konservatorischen Gründen vor Abrieb geschützt werden. Da die Räume in den geführten Besichtungs-rundgängen gezeigt werden, sind die Böden z. T. starker Beanspruchung ausge-setzt. Sie sollen in den Verkehrsbereichen durch reversible Maßnahmen geschützt werden, und dabei weitgehend sichtbar bleiben, um selbst Ausstellungsgegenstand sein zu können.
 
 

Nordseite des Rathauses

 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Entwurf
In der Gerichtslaube ist eine ca. 32 qm große Glasfläche vorgesehen, zwischen Pfeiler und Ratsgestühl, mit großzügigem seitlichen Abstand zur Wand. Diese Fläche entspricht in etwa dem Bereich, der heute mit Teppich ausgelegt ist, und auf dem sich die Besuchergruppen versammeln, um den Raum zu betrachten. Auch die Nordwand des Hauptraumes ist von hier aus gut zu betrachten.
Die Glasfläche erstreckt sich bis zur Tür des Alten Archives, das durch eine gläserne Brüstung geschützt, einsehbar ist.
Der Zugang zur Glasfläche, zur Alten Kanzlei und zur Bürgermeisterkörkammer erfolgt über Teppiche aus flachem Bodenbelag, über den die in die Wandvertäfelung integrierten Türen zur Raumseite hin aufschlagen können.
In vorderen Bereich der Alten Kanzlei ist eine Glasfläche von ca. 10 qm vor dem Gitter zum hinteren Raum vorgesehen.
Die Glasflächen sind von Geländern eingefasst, die zum einen eine Absturzsicherung, zum anderen eine Absperrung darstellen. In den Laufbereichen sind mobile Absperrungen in gleicher Gestaltung vorgesehen.
In den Glasboden kann eine dezente Beleuchtung integriert werden, am Geländer sollen Strahler zur Raumbeleuchtung befestigt werden.
Die Bodenluke vor der Tür zur Alten Kanzlei soll sichtbar bleiben. Zum Schutz der Holzklappe könnte diese dauerhaft offen stehen, und der Zugang zur Alten Kanzlei über eine darunterliegende Verglasung erfolgen, die auch die ehemals genutzte Treppe zum Erdgeschoss zum Besichtigungsgegenstand machen würde.

Konstruktion
Die stählerne Unterkonstruktion des Glasfußbodens wird auf höhenverstellbare Stützfüße mit elastischem Auflager auf den vorhandenen Fußboden aufgestellt. Die Höhe der Gesamtkonstruktion wird im Mittel ca. 15 cm betragen (Ausgleich der Unebenheiten des vorhandenen Bodens). Die Konstruktion soll umlaufend seitlich so geschlos-sen sein, daß die darunterliegende Fläche vor Staub und Verschmutzung geschützt wird, jedoch noch genügend Luftzirkulation möglich ist. Zu Reinigungszwecken (vermutlich im mehrjährigen Zyklus) sind die Glasplatten (durch Glaser) aufnehmbar.
Zur Rutschhemmung können die Gläser im Siebdruckverfahren mit Punktraster bedruckt werden. Dies beeinträchtigt die Durchsichtigkeit, erhöht jedoch die objektive und subjektive Sicherheit beim Begehen.
Derzeit werden für den Glasfußboden alternativ zwei konstruktive Varianten erarbeitet:
Variante A wäre eine Anfertigung durch Schlosser und Glaser. Die Rahmengröße könnte sich hierbei am (durchschnittlichen) Achsabstand des vorhandenen Fußbodenbelages orientieren, so dass die Stützfüße möglichst ausschließlich auf den Ziegeln, und nicht auf den ornamentierten Gipsflächen zu stehen kämen. Es wären relativ große Glasflächen zwischen den Trägern der Unterkonstruktion zu realisieren.
Variante B wäre eine kostengünstigere Alternative, unter Verwendung eines Doppelbodensystems mit Glasplatten im Raster von 60/60 cm, an das durch den Schlosser ein Geländer anzubringen wäre.
Für die Lauffläche ist ein dunkelgrauer Linoleumbelag vorgesehen. Dieser soll auf einer sogenannten Wiederaufnahmeunterlage verklebt werden. Da diese für etwas andere Anwendungsbereiche hergestellt wird, ist vorgesehen, eine Musterfläche zu verlegen, um die sich durchzeichnenden Fliesen und das Verhalten hinsichtlich Verschiebung nach einigen Wochen beurteilen zu können.
 
 

Grundriss Variante B

Grundriss Variante A

 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis