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Kirche des Heiligen Nikolaus, Vilnius (Litauen)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Die im historischen Stadtzentrum, in der Nähe vom Rathausplatz befindliche Kirche des Heiligen Nikolaus ist eines der ältesten erhalten gebliebenen gotischen Kultgebäude in Litauen. Die Kirche stammt noch aus der Zeit vor der Christianisierung. Vor der Einführung des Christentums wurden nur ganz wenige Kirchen in Litauen gebaut. Sie waren für Christen bestimmt, die aus anderen Ländern kamen. So stand die Kirche des Heiligen Nikolaus während der Herrschaftszeit des Großfürsten Gediminas (ca. 1315-1341) den aus den Hansestädten eingeladenen Handwerkern und Kaufleuten zur Verfügung. Davon zeugt auch der Name des Heiligen Bischofs Nikolaus von Myra, Schutzpatron der Seefahrer, Kaufleute, Handwerker und Gefangenen, der im mitteleuropäischen Raum häufig anzutreffen ist. Schätzungsweise wurde die Kirche 1382–1387 erbaut, mit persönlichem Einsatz und finanziellen Mitteln von Hanul, Statthalter der deutschen Kaufleute in Vilnius, auch Hanul von Riga genannt.

Die über sechshundert Jahre alte Kirche wurde mehrmals restauriert und umgebaut. Etwa 1525 bekam die Kirche das Deckengewölbe. Nach dem Brand von 1749 wurden beim Umbau der Kirche die Seitenfenster vergrößert, zur gleichen Zeit entstand der Orgelchor im Rokoko-Stil. Auf diese Weise vereinen sich in der Inneneinrichtung die Merkmale der Spätgotik vom Anfang des 16. Jh. und die Elemente des Spätbarocks aus dem 18. Jh. Nach dem Krieg von 1812 wurde die Kirche wieder instand gesetzt, zu dieser Zeit wurde auch die Sakristei gebaut.
 
 

Kirchenansicht

Grundriss

 
 
 
 

Besonderheiten

Das ist eine relativ kleine Kirche, die in der Länge, Apsis eingeschlossen, 27 m misst, ihre Breite beträgt 13 m und die Höhe des Innenraums 7,6 m. Durch vier achteckige Gewölbepfeiler wird der Innenraum in drei Schiffe geteilt. Die Innenausstattung stammt aus der spätgotischen Zeit. Die Gewölbe sind Netz- und Sterngewölbe. Die Fassaden enthalten nur wenige Dekorationen, betont wird die glatte Fläche des Mauerwerks. Für den Bau wurden Backsteine verschiedener Größen (32x15,5x8,0-8,5 cm, 34x17x9,2 cm, 32-35x15,5x9,5 cm) in rötlichen, roten und gelblichen Tönen verwendet. Als Bindemittel diente ein grober Kalkmörtel, mit Steinen versetzt. Die Fugen sind gerillt, 2,5-3 cm, manchmal sogar bis 5 cm breit. Im ältesten Teil der Kirche (Schiffe und Altarraum) hat das Mauerwerk die Schalenform. Die Backsteine sind nach der gotischen Verbandsart verlegt, jedoch mit vielen Unregelmäßigkeiten. Die Ecken der Kirche werden von schräg gestellten diagonalen Strebepfeilern gestützt. Die Dächer und die Strebepfeiler sind mit Dachziegeln gedeckt.

In der Hauptfassade dominiert ein hoher Treppengiebel. Der mittlere Teil der Fassade wird durch ein Portal hervorgehoben. Der halbrunde Portalbogen ist von einer Archivolte aus auf Kante gesetzten Backsteinen umgeben. Die Wände sind an verschiedenen Stellen mit schwarzen Klinkern verziert.
 
 

Innenraum

Innenansicht

 
 
 
 

Nutzung

Die Kirche des Heiligen Nikolaus ist eine funktionierende römisch-katholische Kirche.
 
 

Zeichung 1913

 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Die Kirche gehört der Kurie des Erzbistums Vilnius.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Das Gebäude der Kirche ist in die Liste des Kulturerbes der Republik Litauen eingetragen; Registriernummer G 202 KP.

1974 wurde an einigen Stellen im Innenraum das gotische Mauerwerk freigelegt. Die Kirche wurde gestrichen, der Sockel ausgebessert und das Dach neu gedeckt.

Im Zeitraum 1988-1989 wurde der Giebel der Hauptfassade freigelegt, dabei wurden zum Teil die kleinen Türmchen auf den Giebelstufen restauriert. Die Strebepfeiler wurden wiedererrichtet, die Verzierung aus gelben Backsteinen durch Restaurierungssteine ersetzt und ein Teil des hinteren Giebels hervorgehoben. Außerdem wurden die erhaltenen Teile der gotischen Fensterkanten sowie die Außenseite des Portals in der südlichen Fassade freigelegt.
2000 wurde das Dach mit Dachziegeln gedeckt und die Fenster ausgetauscht.

Mit dem Ziel, die ursprüngliche Wandbemalung aus dem 17./18. Jh. wiederherzustellen, wurden 2002 Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden das Konsekrationskreuz aus dem 17. Jh. die Brüstung des Orgelchors und zwei seitlich im Triumphbogen stehende Kreuze aus dem 18. Jh. restauriert.

Während der Instandsetzungsarbeiten und der Untersuchung der Polychromie im Innenraum wurde auf der nördlichen Wand eine bis dahin unbekannte aus der Barockzeit stammende Malerei entdeckt. Bei der Freilegung an vier Stellen stellte es sich heraus, dass es sich hierbei um eine dekorative polychrome Wandmalerei mit Motiven der stilisierten Pflanzen, Puttenköpfchen und Symbolen handelt. Schätzungsweise wird diese Wandmalerei nach dem Brand von 1744 entstanden sein.

Die Bemalung des Kirchengewölbes – die aus dem ausgehenden 15. Jh. bzw. Anfang des 16. Jh. stammende dekorative Vielfarbigkeit der Gewölberippen sowie die Darstellungen der Sonne, des Mondes, der Sterne und anderer Himmelskörper – wurde restauriert.

Eine ähnliche Gewölbemalerei ist in einer Kirche in Leipzig zu finden.

(Autor: Petras Kanevičius)
 
 

freigelegte Barockmalerei

Konsekrationskreuz

 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis