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Sankt Peter und Sankt Paul Kirche, Stettin (Polen)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Die Sankt Peter und Sankt Paul Kirche gehört zu den ältesten Kirchen in Stettin, die 1124 auf die Initiative des Bischofs des Heiligen Otto von Bamberg während seiner ersten Christianisierungsmission in Pommern erbaut wurde. Die Kirche liegt nordwestlich vom Schloss der Herzöge von Pommern, und ihre heutige Form einer einräumigen Ziegelhalle mit einer Reihe von flachen Kapellen zwischen den Strebefeilern, die in ihren Innenraum hereingezogen wurden, sowie mit einem mehreckigen Chorraum, stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer hölzernen Kirche, die ursprünglich für die Fischer, die um den Oder-Hafen rundherum wohnten, gebaut wurde, sind nicht mal die kleinsten Überreste erhalten geblieben, weil sie ein Brand 1189 völlig zerstört hatte. Man hat die Kirche 1238 wiederaufgebaut, aber auch von dieser Kirche, die 1291 als eine Kollegiatskirche geplant war, ist nichts übrig geblieben. Die Kirche bediente die Einwohner des armen Fischer-Vororts Unterwiek und die Bewohner der Dörfer am Oder-Ufer: Grabow, Zabelsdorf, Züllchow und Nemitz.

Anfang des 15. Jahrhunderts haben die bereits reicheren Bewohner der Unterwiek angefangen, eine gemauerte Kirche zu bauen. Diese Kirche wurde an der Stelle gebaut, wo früher das demontierte Holzgebäude stand. Nach einer alten erhalten gebliebenen Urkunde, begann man 1425 mit dem Bau, was eine architektonische Untersuchung bestätigt hat. Es hat sich ergeben, dass dieses älteste Mauerwerk, kürzer als das heutige um ein Joch von der Westseite, bewahrte von der ursprünglichen Form nur periphere Mauer mit einer Außen- und Innenverzierung, wobei die Innengliederung ganz anders war. Es entstand als eine fünfjochige Halle, in drei Schiffe durch zehn Pfeiler gegliedert, die quadratische Joche des Hauptschiffes und rechteckige der Seitenschiffe bildeten. Die Seitenschiffe wirkten breiter durch anliegende flache Kapellen. Die Schiffe waren wahrscheinlich durch Stern- und die Kapellen durch Kreuzrippengewölbe bedeckt. Am Seitenschiff auf der Nordseite hat am eine Sakristei angebaut, deren Innenraum mit einem Rippengewölbe verdeckt war, und unter dem Fußboden hat man eine kleine Krypta gebaut. 1441 hat man ein Vikariatshaus angebaut.

Der Kirchenumriss mit Kapellen zwischen den Strebepfeilern knüpft an die Lösung in der Jakobikirche an. Die Außenverzierung, die aus großen spitzbogigen Fenstern und flachen Lisenen mit aufgelegten Verzierungen aus glasierten Ziegeln und Formstücken besteht, die die mit Wimpergen geschmückten Nischen bilden, ist in einem an das Schaffen des Stettiner Architekten Heinrich Brunsberg anknüpfenden Stil gestaltet. Unterhalb von einer Reihe von auf Lisenen gebrachten Nischen befinden sich Konsolen in Form von Keramikköpfen in zusammengestellten weiblich-männlichen Paaren. Ähnliche Konsolen schließen Gewölberippen der an die nordöstliche Fassade anliegenden Sakristei ab. Was interessant erscheint, die in der Sakristei geschnitzten Köpfe stellen Greise und Kinder dar, wogegen man auf den Fassaden Köpfe erwachsener und junger Männer und Frauen dargelegt hat. Es war wahrscheinlich die Absicht des Künstlers, einige Generationen von Bürgern der Stadt und zugleich der Stifter der Kirche darzustellen.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist die Kirchengemeinde so groß geworden, dass die Kirche zu klein wurde und im Jahre 1460 begann man mit dem Ausbau der Kirche. Man hat die Schiffe um ein breites Joch mit einem Turm auf der westlichen Seite verlängert. Dieses Joch hat man eineinhalb Mal im Vergleich mit anderen vertieft. Der Turm wurde wegen seines schlechten Zustandes bereits im 16. Jahrhundert abgerissen und mit einem Dachreiter ersetzt. Neben der kleinen Krypta wurde eine größere gebaut, die mit einem Tonnengewölbe bedeckt wurde.

Im Mittelalter befanden sich im Inneren der Kirche viele wertvolle Altäre und andere Kunstschätze, die aber leider in der Reformationszeit zerstört wurden oder verloren gegangen sind. Das einzige erhalten gebliebene Kunststück der Gotik sind zwei Steinplatten, die in die Fassade der Sakristei auf beiden Seiten der ehemaligen Almosennische eingemauert sind. Auf den Platten hat man Flachreliefs mit Schutzheiligen der Kirche, dem Heiligen Peter und Paul dargestellt, die Ende des 14. Jahrhunderts entstanden sind. Die Platten wurden aus einer älteren Kirche hierher verlegt. Sie vertreten den gotischen Stil, der charakteristisch für das Schaffen der Künstler, die u.a. das Grabepitaph des Ehepaares Rabenstorp aus der Johanneskirche angefertigt haben, ist.

Nach der Reformationszeit ist die Kirchengemeinde viel ärmer geworden und sie wurde gezwungen, wertvolle Ausstattung der Kirche zu verkaufen, um die Renovierungsarbeiten bezahlen zu können. 1546 wurden die Glocke und 1556 das Kirchensilber verkauft. Im gleichen Jahr wurde der Turm abgerissen und 1602 hat man auf das Dach nur noch einen Dachreiter aufgestellt. Im 17. Jahrhundert wurden in der Kirche viele Bürger beerdigt und mit einem Grabepitaph versehen.

Im August 1677 sind die Dächer verbrannt, weil sich der Brand von der Marienkirche auf die Peter- und- Paul-Kirche ausbreitete, und im Herbst unmittelbar danach ist die westliche Fassade eingestürzt und hat die Pfeiler und Gewölbe dadurch zerstört. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau der Westwand begonnen, die in der gotisch-barocken Form wiederhergestellt wurde. Die Arbeiten führte Johann David Bralin aus Ulm aus. Die Kirche bedeckte man mit einem Dach, das mit einem Dachreiter 1683 versehen wurde.
1694 stellte man drei Portiken aus Kalksäulen auf, die aus der Kartäuserkirche in Grabow stammten. Den Wiederaufbau des Innenraums beendete man erst 1702, indem man auf dreischiffige Gliederung verzichtet hat. Den Innenraum bedeckte der Zimmermann A. Kämmerling mit einem Holzgewölbe und ein Jahr später verzierte es der Maler Philips Ernst Eichner mit Polychromien. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden viele wertvolle Kunstschätze und Kunstwerke gestiftet, von denen viele bis heute erhalten sind.
 
 

Ansicht

Detail Südseite

Almosennische

Detail

Detail

Grundriss

 
 
 
 

Besonderheiten

Die Kirche nach all den neuzeitigen Umgestaltungen ist jetzt ein architektonisch bescheidenes Gebäude mit einer spätgotischen Außenverzierung und mit einer gotisch-barocken Innenausstattung, die eine Ausnahme in Stettin mit ihren zahlreichen barocken Kunstwerken ist. Zu den wichtigsten zählt die Polychromie auf dem Gewölbe, gemalt auf dem Plafond mit der Länge von 27,00 x 3,00 m. Dargestellt werden hier drei Szenen mit Vorstellungen über die ägyptischen Plagen, über das Jüngste Gericht und über die Anbetung des Jesuskindes. Es gibt auch ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, das die Szene der „Auferstehung Jesu“ darstellt. Der Innenraum wird durch drei Kronleuchter belichtet, die aus einer Metalllegierung in den Jahren 1661, 1702, 1703 angefertigt wurden. Zu den besonders prunkvollen Exemplaren gehört der zweistockige und sechzehnarmige Leuchter aus dem Jahre 1661, der von David Ertman gestiftet wurde. Außerdem sind hier 21 Grabepitaphe im Innenraum und zwei in den Außenwänden erhalten geblieben, die die größte Sammlung solcher Objekte in Stettin bilden. Die Grabepitaphe stammen meistens aus dem 17. und 18. Jahrhundert und gehören zu den s. g. Inskriptionstafeln. Die auf den Grabtafeln eingravierten Aufschriften erzählen über Namen und Berufe der Verstorbenen, z.B. über den im Jahre 1674 verstorbenen Malers Jacob Wildenberger oder über verstorbene Pastoren und Segler. Auf vielen Grabtafeln wurden Sinnbilder der Steinhauer eingemeißelt.
 
 

Innenraum

 
 
 
 

Nutzung

 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Der Stadtrat übergab im Februar 1945 die Kirche an die polnisch-katholische Gemeinde, die bis heute der Eigentümer des Gebäudes bleibt.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

1960 wurde die Renovierung des Innenraums der Kirche durchgeführt. Während der Renovierung hat man die neogotische Ausstattung abgeschafft und eine Orgelempore aus Beton fertig gestellt. In den 90-er Jahren des 20.Jahrhunderts wurden die Grabepitaphe konserviert. Weiterhin wurden die Gewölbepolychromien und Konsolen auf den Fassaden restauriert und Teile der kaputten Dachbedeckung ausgetauscht.
 
 
 
 
 
 

Heritage Management

 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis