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Mittelalterliche Wehranlage, Neubrandenburg (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Neubrandenburg besitzt mit seiner mittelalterlichen Wehranlage ein einzigartiges Denkmal im gesamten Gebiet der Backsteingotik und mit Sicherheit darüber hinaus. Fast wie durch ein Wunder hat diese die Stürme der Zeit überstanden und präsentiert sich heute, kreisförmig die Altstadt umschließend, in einem einmaligen Grad an originaler Komplexität, bestehend aus den Wallanlagen, der Stadtmauer, den vier Toranlagen, den Wiekhäusern und dem Fangelturm (ob seiner Nähe zum Franziskanerkloster auch Mönchenturm genannt).

Wegen dieser herausragenden Bedeutung wird derzeit geprüft, den Antrag auf Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes zu stellen.
Für die 1248 gegründete Stadt Neubrandenburg wurde ein strategisch günstiger Punkt am Nordufer des Tollensesees gewählt. Gelegen auf einer Schwemmsandinsel, war sie von drei Seiten von feuchten Niederungen umgeben und somit leicht zu verteidigen. Trotzdem begann man mit der Erbauung der Stadt auch sofort, diese zu befestigen. Ursprünglich war sie von einem Graben und einem Erdwall mit einer Holzpalisade umgeben. Um 1300 begannen die Bürger mit der Errichtung einer steinernen Wehranlage, teils aus den reichlich vorhandenen Findlingssteinen, teils aus dem neuen Material Backstein. So entstand eine für das Mittelalter unüberwindliche Befestigung, die militärisch erst im 30jährigen Krieg mit der damals modernen Waffentechnik bezwungen wurde.

Auch als mit dem 17. Jahrhundert die Stadtbefestigung ihre militärische Funktion weitgehend verloren hatte, wurde sie stets instand gehalten und, als insbesondere im 19. Jahrhundert vielerorts die mittelalterlichen Befestigungen geschliffen wurden, setzten sich geschichtsbewusste Neubrandenburger, allen voran die Bürgermeister, für deren Erhalt ein.

Ihnen wie auch nachfolgenden Generationen ist es zu danken, dass dieses Denkmal als originales Unikat bis heute existiert.
 
 

Luftbild

2. Ringstraße

Stadtmauer

 
 
 
 

Besonderheiten

Die Stadtmauer:
Schon die Neubrandenburger Stadtmauer stellt, für sich genommen, ein imposantes Bauwerk dar und nötigt uns hohe Achtung vor den Leistungen unserer Vorväter ab. Sie umschließt, noch nahezu vollständig erhalten, mit ihrer Gesamtlänge von 2300 Metern kreisförmig den gesamten historischen Stadtkern. Auf weiten Strecken ist sie noch in ihrer ursprünglichen Höhe von sieben bis acht Metern erhalten. Imponierend ist vor allem das sorgfältig verarbeitete, in einzelnen Schichten waagerecht abgeglichene Feldsteinmauerwerk. Auf eine Schicht größerer Felsen folgt jeweils eine Ausgleichsschicht aus kleineren Feldsteinen, so dass sich bei relativ geringer Mauerstärke ein statisch sicheres Bauwerk ergibt. Dieses Feldsteinmauerwerk findet seinen oberen Abschluss mit einer Krone aus klosterformatigem Backstein. An der Innenseite der Mauer sind vielfach in verschiedenen Höhen Rüstlöcher zu erkennen. Diese dienten mit Sicherheit nicht der Errichtung von Wehrgängen in Notzeiten sondern einfach dazu, Baugerüste für immer wieder anfallende Reparaturarbeiten aufzustellen.

Bis zum Ende des 19. Jh. war der Mauerring vollständig geschlossen. Die einzigen Zugänge in die Stadt bildeten die vier Tore. Diese sind noch, wie im Mittelalter, bis zum Jahr 1863 allabendlich zugesperrt wurden.

Erst 1864 erfolgte mit dem Anschluss der Eisenbahn in Gestalt des so genannten Eisenbahntors im Norden der Stadt der erste Mauerdurchbruch. In den darauf folgenden Jahrzehnten sind weitere Durchgänge geschaffen worden.

Im Zuge der Stadtsanierung sind in den letzten Jahren weite Abschnitte der Mauer saniert worden, die letzten Teile werden hoffentlich bald folgen.

Die Wiekhäuser:
Ursprünglich waren - oft wird der Vergleich mit Schwalbennestern gezogen - 57 Wiekhäuser in Abständen von rund dreißig Metern in die Stadtmauer eingefügt. Zwei davon, jeweils am Ende der Turm- und der Darrenstraße, sind bereits im Mittelalter durch Türme ersetzt worden. Die Nummerierung der Wiekhäuser erfolgt, beginnend am Friedländer Tor, entgegen dem Uhrzeigersinn.

Derartige Wiekhäuser kamen im Lande Stargard auch in anderen Städten vor, so in Friedland und Woldegk, aber auch in brandenburgischen Städten. Jedoch sind sie in Neubrandenburg am besten erhalten beziehungsweise im 20. Jahrhundert rekonstruiert worden. Diese Bauten waren rechteckige, manchmal auch halbrunde Türme, die, stadtseitig offen, nach außen vor die Mauer vorspringen. Einige hatten ein Dach, bei anderen war die oberste Plattform offen und mit Zinnen zum Schutz der Verteidiger bestückt. Die unteren Geschosse waren mit Schießscharten versehen, die ermöglichten, das Feld vor der Mauer, aber auch seitlich den Mauerfuß zu bestreichen. Anhand der Art der Schießscharten lassen sich verschiedene Typen von Wiekhäusern unterscheiden. Die frühen Bauten hatten relativ breite Scharten, was der Nutzung von Armbrüsten geschuldet war. Der spätere Typ weist schmalere Öffnungen auf, durch die mit den im ausgehenden Mittelalter aufkommenden Feuerwaffen geschossen werden konnte.

Im nördlichen Abschnitt der Stadtmauer, das heißt in der 1. Ringstraße nordwestlich des Friedländer Tores, sind zwei Wiekhäuser zu sehen, die originalgetreu als reine Wehrbauten rekonstruiert worden sind. Erwähnenswert erscheinen noch zwei Wiekhäuser im südwestlichen Abschnitt der Stadtmauer. Letzteres ist das einzige halbrunde Wiekhaus Neubrandenburgs. Das benachbarte Haus imponiert durch seine architektonischen Besonderheiten, die eine Datierung in die ausklingende Spätgotik und beginnende Renaissance des 16. Jahrhunderts plausibel machen.

Die Wiekhäuser spielten im Rahmen der Organisation der städtischen Bürgerschaft eine bedeutende Rolle. Während die Unterhaltung und im Kriegsfalle die Verteidigung der vier Tore den vier Hauptzünften (anfangs waren dies die der Schuster, der Bäcker, der Wollweber und der Schlächter) oblag, war die nichtzünftige Bürgerschaft den Wiekhaushauptleuten unterstellt, so dass im Verteidigungsfall ein jeder seinen festen Platz hatte. In Bezug auf die innere Organisation der Bürgerschaft gibt eine Bestimmung aus dem Jahre 1602 über die Amtspflichten der Wiekhaushauptleute eine interessante Auskunft. Sie besagt, „dass sie in ihren Wiekhäuser fleißig Aufsicht haben, damit in denselbigen kein unnütz, fremdes, loses Gesinde möge gehauset und geherberget werden; damit auch keine gefährlichen Feuerstätten gehalten werden; wenn es nötig, die gemeine Bürgerschaft zusammenzufordern, auch gemeine Landsteuern oder Stadtbürden zu erlegen; und hinwieder an Hölzung, Gräsung und Fischen der Bürgerschaft auszuteilen, dass als dann die Hauptleute solches in ihren Wiekhäusern anmelden und was ihnen daneben vom Rate anbefohlen, getreulich ausrichten; desgleichen, dass sie seIbigen Wiekhaus Rüstung an Harnisch, Spießen, Röhren und Wehren, wie auch in Feuersnöten die Schlitten und Wasserkufen und was dazu gehört, in guter Bereitschaft halten, desgleichen, dass ein jeder Wiekhaus-Hauptmann seinen Anteil an der Stadt, Mauern und Wällen, auch wenn sonsten in den Wiesen und Wegen zu bessern, mit den Seinen, der gegebenen Ordnung nach bessere und erhalte.“

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen am Ende des 14. Jh. verlor die Wehranlage Neubrandenburgs zunehmend an Wirksamkeit. Der Beweis ihrer fast völligen Wirkungslosigkeit wurde mit der Erstürmung der Stadt durch General Tilly 1631 erbracht. Nach diesen Ereignissen wurde ein Teil der Wiekhäuser zu Wohnzwecken umgebaut. Es entstanden auf den Grundmauern Fachwerkbauten, die stadtseitig im ersten Obergeschoß auskragten. 1912 existierten 27 derart umgebauter Wiekhäuser, und einige von ihnen waren noch bis über die Mitte des 20. Jh. hinaus bewohnt. Anfang der siebziger Jahre des 20. Jh. begann die Stadt, diese Fachwerkwiekhäuser zu rekonstruieren. Es sind bislang 25 Wiekhäuser wiedererrichtet worden. Auch wenn aus Sicht der Denkmalpflege Bedenken geäußert werden ("Rekonstruktion ist keine Denkmalpflege"), so stellen doch offensichtlich diese Bauten kleine Schmuckstücke im Kontext der Neubrandenburger Wehranlage dar.

Der Fangelturm (Mönchenturm):
Im Kriegsfalle ging es, in Anbetracht des Standes der mittelalterlichen Waffen- und Wehrtechnik, stets darum, den angreifenden Gegner an Höhe zu übertreffen. Deshalb wurden bereits im 14. Jh. zwei der Wiekhäuser an besonders gefährdeten Stellen der Stadtbefestigung durch hohe Mauertürme ersetzt. Einer dieser Türme befand sich am Ostrand der Wehranlage, ausgangs der Turmstraße, ein zweiter steht im Norden an der 2. Ringstraße. Der Turm an der Turmstraße ist im Jahre 1899 wegen mangelhafter Fundamentierung eingestürzt, nachdem seitlich ein Mauerdurchbruch gemacht wurde. Dieser Turm stand, deutlich erkennbar, auf den eckigen Grundmauern eines Wiekhauses und hatte, stadtseitig angesetzt, einen polygonalen Treppenturm. Ein derartiger Treppenturm fehlt bei dem noch vorhandenen Fangelturm am Ende der Darrenstraße, der wegen des benachbarten Franziskanerklosters auch Mönchenturm genannt wurde.
Hier befindet sich stadtseitig der Eingang in sechs Meter Höhe und war durch eine angebaute Holztreppe zu erreichen. Diese konnte im Falle der Eroberung der Stadt abgebrochen werden, so dass ein derartiger Turm noch eine Zeitlang ein sicheres Refugium darstellte. Der untere seitliche Eingang ist erst später geschaffen worden. Die Höhe des Turmes beträgt bis zur oberen Plattform 19 Meter, sein Durchmesser 6,50 Meter, und das Mauerwerk im unteren Teil hat eine Stärke von 2,30 Metern.

Im Inneren des Turmes setzt in drei Metern Höhe die Gewölbekuppel des Verlieses an, das noch zwei Meter unter das Straßenniveau reicht. Dieses diente noch bis in das 19. Jahrhundert als städtisches Gefängnis, auch Bürgergehorsam genannt. Daher also stammt die Bezeichnung Fangelturm. Die über dem Verlies liegenden drei Geschosse sind mit Schießscharten versehen, die obere Plattform mit Zinnen bekränzt. Der Ornamentring unterhalb des Zinnenkranzes wie auch die kegelförmige Haube mit der aufgesetzten Kreuzblume sind Zutaten der Restaurierung des Bauwerks im Jahre 1845.
1996 wurde eine neue Wendeltreppe eingebaut, so dass der Turm seit dem wieder besteigbar ist. 2005 erhielt die Haube eine Haut aus Kupferblech.

Dass beim Bau dieses Turmes nicht allem die Wehrhaftigkeit zählte, sondern auch ästhetische Gesichtspunkte eine Rolle spielten, zeigt sich in der oberen Hälfte des Mauerwerks. Hier sind dunkel gebrannte Kopfsteine schräg zueinander versetzt, so dass sich eine viermal gebrochene Zickzacklinie ergibt - ein interessantes Detail, das leider durch jüngere Sanierungsmaßnahmen etwas verwischt erscheint.

Die Wallanlage:
Die Neubrandenburger Wallanlage stellt als ein wahrhaft gigantisches Erdbauwerk gleichermaßen ein Bau- wie auch ein Naturdenkmal dar. Gleich einem Kranz aus grünem Laub, einst vorrangig mit Eichen bestanden, umschließt sie die historische Innenstadt. Somit ist sie nicht nur Denkmal, sondern erfüllt auch ökologische Funktionen.

Die Wallanlage besteht aus einem Doppelwall mit drei Gräben, die ursprünglich mit Wasser gefüllt waren, wozu im Mittelalter aufwendige Wasserbaumaßnahmen erforderlich waren. Die einzelnen Wälle sind noch etwa drei bis vier Meter hoch und von der Stadtmauer sowie voneinander ca. 20 bis 30 Meter entfernt. Abweichungen von diesem Schema gibt es wegen der natürlichen Boden- und Wasserverhältnisse an der Südseite. An der am meisten gefährdeten Ost- und Nordseite sind die Anlagen auf rund 70 Meter erweitert worden. Hier wurden auch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zwei Bastionen für Geschütze aufgeschüttet, von denen die eine, rund 150 Meter nordwestlich des Friedländer Tors, noch heute die Grabplatte des 1780 verstorbenen Landsyndikus Pistorius trägt. Er ließ sich als erster Neubrandenburger demonstrativ außerhalb der Stadtmauern beerdigen, weil auf den innerstädtischen Friedhöfen unhaltbare Zustände herrschten. Auch darüber hinaus hatte er sich Verdienste um seine Heimatstadt erworben.

Die Wallanlagen sind Heimstatt für viele Tiere und Pflanzen, darunter auch wertvolle Kulturreliktpflanzen. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang vor allem der so genannte Seltsame Lauch (Allium paradoxum), ein aus dem Kaukasus stammendes Zwiebelgewächs, das im Frühjahr weite Flächen dicht bedeckt und seinen aromatischen Duft verströmt.

Leider hatte der Baumbestand in den letzten Jahrzehnten stark gelitten, besonders die charakteristischen Eichen haben Schaden genommen durch Wassermangel, Umweltverschmutzung und unkontrollierten Wildwuchs. Jedoch sind, neben traurigen Stubben, noch einige stattliche Exemplare zu bestaunen, die ein Alter von mehr als 300 Jahren aufweisen.

Nach langen öffentlichen Diskussionen werden die einzelnen Wallabschnitte derzeit saniert, mit dem Ziel, das überlieferte Bild dieses Denkmals wieder herzustellen, dies auch durch die Anpflanzung von neuen Bäumen, natürlich vorrangig Eichen.

Das Friedländer Tor:
Den baukünstlerischen Höhepunkt der mittelalterlichen Wehranlage Neubrandenburgs bilden die vielgerühmten vier Stadttore. "Die Vier Tore sind wundervolle Proben der Backsteingotik, im Vergleich zu anderen elegant, als wären sie mehr zur Zier als zur Wehr da". (Ricarda Huch).

Das Friedländer Tor an der Nordostseite der Wehranlage ist das älteste der vier Tore und gleichzeitig auch das in seiner Komplexität am besten erhaltene. Wie bereits bemerkt, war der nördliche und östliche Abschnitt der am meisten gefährdete, und demzufolge wurde auch hier begonnen, die Stadt zu befestigen. Der Beginn der Erbauung des Tors ist um das Jahr 1300 zu datieren. An seinem Aufbau lässt sich am besten das Schema dieser mittelalterlichen Toranlagen erkennen. Die Anlage des Friedländer Tores besteht aus einem stadtseitigen Haupttor und dem feldseitigen Vortor. Beide sind mit Mauern verbunden, die den Zwinger bilden. Vor die Anlage ist als spätere Ergänzung zum Schutz vor großkalibrigen Feuerwaffen ein halbrunder Zingel gesetzt, der wiederum durch Mauern mit dem Vortor verbunden war und somit einen weiteren Zwinger bildete.

An der Architektur des Friedländer Tores lassen sich mehrere Bauphasen ablesen. Das dreigeschossige Haupt- oder Innentor hat einen quadratischen Grundriss und zeigt an der Feldseite noch Elemente des Übergangs vom romanischen zum gotischen Stil. Dies ist der älteste Teil der Anlage, datierbar in die Zeit um 1300. Die stadtseitige Westfassade mit dem angebauten polygonalen Treppenturm dagegen ist etwas später in bereits ausgeprägtem gotischen Stil Ende 14. Jh. errichtet. Der Dachstuhl konnte in das Jahr 1394 datiert werden. Die Baunaht ist an den Seiten des Gebäudes noch erkennbar. Die Stadtseite ist reich gegliedert mit segmentbogigen Blendnischen, eingefasst von zwei Zierfriesen aus Kleeblattbögen, schießschartenartigen Fensteröffnungen und einem schmuckreichen Pfeilergiebel. Die Feldseite wird durch die Führungspfeiler für das Fallgatter senkrecht gegliedert. Zwischen den Pfeilern befinden sich die spitzbogige Durchfahrtsöffnung und darüber drei Blendnischen mit frühgotischen Kleeblattbögen. Im Inneren ist die Durchfahrt mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt gewesen, wovon heute nur noch rudimentäre Ansätze erkennbar sind. Neben dem Fallgatter wurde das Innentor beidseitig noch mit großen Torflügeln verschlossen, was also eine dreifache Sicherung der Tordurchfahrt ergab. Die schmiedeeisernen Torangeln sind noch vorhanden.

Das Innentor ist durch die Zwingermauern mit dem Vortor verbunden. An den Zwingermauern sind an hand der unterschiedlichen Ausführung der inneren Blenden ebenfalls zwei Bauphasen zu unterscheiden. Auch die Baunaht ist erkennbar. Auf deren Höhe befand sich wahrscheinlich der anfänglich schon erwähnte Palisadenzaun, vielleicht mit einem Holztor oder einer Zugbrücke. Dahinter wurde das Haupttor errichtet, und erst nachdem auch das Vortor fertig gestellt war, konnte die hölzerne Anlage abgebrochen werden.

An der nördlichen Zwingermauer ist eine Tafel angebracht, die an die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1631 erinnert, als bei der Erstürmung der Stadt durch General Tilly das Friedländer Tor von der Stadtseite her genommen und die Besatzung grausam niedergemetzelt wurde. Die übel zugerichteten sterblichen Überreste der Opfer dieses Kampfes sind erst kürzlich bei Erdarbeiten unmittelbar neben der Toranlage gefunden worden.

In die Zwingermauern wurden im 18. Jh. beidseitig Fachwerkhäuschen eingebaut, die Sitz und Wohnung für den fürstlichen Steuereinnehmer (Zollhaus) sowie für den Tor- und Zingelwärter waren. Heute befinden sich hier eine Gaststätte und eine Verkaufsgalerie für Kunst und Kunsthandwerk.

Das Vortor der Friedländer Toranlage hat einen rechteckigen Grundriss, ist in seiner Architektur streng symmetrisch gegliedert und entspricht ausschließlich kriegstechnischen Zwecken. Das jedoch bedeutet nicht, dass auf Schmuck der Fassade verzichtet wurde. Die Stilelemente des Fassadendekors sind der frühen Gotik zuzuordnen. Die Dachkonstruktion stammt aus dem Jahr 1328. Die Außenseite ist mit zwei Pfeilern verstärkt, die über der Dachtraufe in Dreiecksgiebeln mit Maßwerk enden. Das Obergeschoss wird geziert durch fünf Blendnischen, die unter einem Rundbogen ein spitzbogiges, zweiteiliges Maßwerk aufweisen. Die Giebelseiten sind bei einer Restaurierung des Tores um 1845 mit jeweils drei Filialtürmchen besetzt worden. Davor war hier eine waagerecht abschließende Schildmauer mit sechs zinnenartigen Türmchen, wie auf älteren Abbildungen noch erkennbar ist. Die Fläche darunter schmückt eine Blendnische mit dreigeteiltem Maßwerk.

Eine Besonderheit ist in der Tordurchfahrt zu beobachten. Diese hat eine Breite von 6,30 und eine Scheitelhöhe von 6,50 Metern. In der Wölbung befindet sich ein Schlitz, der vermuten lässt, dass auch hier einst ein Fallgatter als zusätzliche Sicherung im Notfall installiert war. Eigentümlicherweise ist der Torbogen mittig um 1 ½ Stein versetzt, so dass es für den Torflügel einen inneren und einen äußeren Anschlag gab. Dies ist nur dadurch zu deuten, dass hier ursprünglich eine Art Drehtür eingebaut war, die um einen Mittelpfosten schwang. Rechts und links war genug Platz, um die Fuhrwerke ein- und ausfahren zu lassen. Als die Fahrzeuge größer wurden, ist ein zweiflügeliges Tor eingebaut worden. Die gleiche Konstruktion ist auch am Stargarder und am Treptower Tor zu beobachten.

Vor das Vortor ist um 1500 ein halbrunder Zingel gesetzt worden. Er erfüllte die Funktion des Schutzes der Toranlage vor Beschuss mit Kanonen, war aber auch, wie die zahlreichen Schießscharten belegen, für die aktive Verteidigung ausgelegt. Der Zingel besteht aus vier Meter starkem Findlingsfüllmauermerk mit einer Backsteinschale, hat einen Durchmesser von 14 und eine Höhe von 8 Metern bis zur oberen Wehrplatte. Diese war mit einem Dach versehen, das in Kriegszeiten abgenommen werden konnte, um auch hier Verteidigungswaffen platzieren zu können. Die offene Durchmesserseite war mit einem Mauerbogen überspannt, der jedoch nicht mehr erhalten ist. Der Zingel war durch das Vortor nochmals mit Mauern verbunden. Die Einfahrt befand sich an der nördlichen Seite und war mit einem Turm und einem kleinen Wehrgang sowie einer Zugbrücke befestigt. Diese Verbindungsmauern, wie auch Turm und Tordurchfahrt, sind im 19. Jh. abgebrochen worden. Die Fundamentreste befinden sich jedoch noch im Boden.

Vor dem Zingel ist ein Sühnestein aufgestellt, der an den 1469 in einer Fehde mit den Treptowern (heute Altentreptow) vor dem Tor erschlagenen Bürgermeister Henricus Prillewisse (Heinrich Prillwitz) erinnert.

Insgesamt hat die Friedländer Toranlage eine Länge von imposanten 88 Metern und stellt eine nach allen Seiten zu verteidigende Torburg dar. Die tiefe Staffelung der Verteidigungsanlagen machte es nahezu unmöglich, von außen durch das Tor in die Stadt einzudringen. Es hat bis zum Dreißigjährigen Krieg auch allen Stürmen widerstanden. Die Einnahme der Stadt und auch des Friedländer Tores durch General Tillys Truppen im Jahre 1631 war nur möglich, nachdem nach tagelangem Bombardement eine Bresche in die Stadtmauer zwischen Friedländer und Neuem Tor geschossen wurde, durch die die Kaiserlichen eindrangen und dann das Tor von hinten erstürmten, wobei es zu dem schon erwähnten Massaker kam.

Das Stargarder Tor:
Das Stargarder Tor bildet den südlichen Zugang zur Stadt. Es trug in der Vergangenheit auch die Bezeichnungen Wendisches Tor oder auch Wanzkaer Tor. Erstere Bezeichnung erinnert offensichtlich daran, dass es südlich von Neubrandenburg noch längere Zeit slawische Bevölkerungsreste gab, die auch als Wenden bezeichnet wurden. Der zweite Name steht in Verbindung mit dem Zisterziensernonnenkloster Wanzka, das seit den achtziger Jahren des 13. Jh. südlich der Stadt existierte und zu dem bis zu seiner Säkularisation im 16. Jh. stets enge Beziehungen bestanden.
Die Erbauungszeit des Stargarder Tores konnte mit Hilfe der dendrochronologischen Analyse der im Dach verbauten Hölzer bestimmt werden. Das Holz für den Dachstuhl wurde im Winter 1310/11 geschlagen. Somit ist dies das zweitälteste Tor der Stadt. Die Anlage besteht aus dem stadtseitigen Haupttor und dem Vortor. Beide sind mit Zwingermauern verbunden. Einen Zingel wie vor dem Friedländer Tor hat es hier nicht gegeben. Hierfür bestand weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit, denn an dieser Stelle war die Stadtanlage direkt bis an den Rand der von Wasserläufen durchzogenen feuchten Niederung gebaut worden. Außerdem befanden sich vor diesem Tor von alters her zwei Mühlen, eine Kupfer- und eine Walkmühle. Letztere wurde später zu einer Lohmühle umfunktioniert und beherbergt heute ein Gasthaus. Diese Mühlen waren mit Sicherheit befestigt und bildeten so eine Art schützendes Vorwerk, das mit der Toranlage verbunden war. In diesem Areal befand sich auch die im 15. Jh. gestiftete Gertraudenkapelle. Diese ist während des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden. Das dreigeschossige Haupttor hat einen leicht trapezförmig verschobenen Grundriss. Es ist in seiner äußeren Gestaltung relativ schlicht gehalten. Die Fassaden sind jeweils durch neun spitzbogige Blendnischen gegliedert und mit einem Treppengiebel mit filialartigen Aufsätzen gestaltet. Auf der Stadtseite sind die Blendnischen bis an die Durchfahrtsöffnung herangeführt, während sie feldseitig erst in Höhe des einstigen Fallgatters beginnen. Die senkrechten Linien werden aufgelockert durch vier kreuzförmig gestellte Fensteröffnungen und vor allem durch die stadtseitig angebrachten neun lebensgroßen Terrakottafiguren, die, ähnlich den klassichen Adorantinnen, die Arme erheben. Sie stehen auf Konsolen und sind aus überputztem Backstein schichtenweise aufgemauert; die Füße, Hände und Köpfe sind aus Terrakotta. Die Bedeutung dieser Figuren ist ungeklärt, es gibt jedoch mehrere Deutungsvarianten. Eine ist, dass die Figuren Nonnen des Klosters Wanzka darstellen sollen. Dagegen spricht jedoch die offensichtlich weltliche Tracht der Figuren. Eine andere Deutung stellt die Verbindung mit der für diesen Landesteil schicksalhaften Heirat Fürst Heinrichs und der Markgrafentochter Beatrix her. Das Tor ist noch zur Regierungszeit Heinrichs erbaut, und so könnten die Figuren als nachträgliche Huldigung für den feierlichen Einzug der jungen Braut durch eben dieses Tor gedacht sein. Direkt neben dem Tor errichtete der Mecklenburger auch seinen Fürstenhof. Vielleicht sollten die Figuren aber auch nur den aus der Stadt Ausreisenden segnen und ihm Glück auf den dazumal nicht ungefährlichen Wegen wünschen.
Nach genauerer Betrachtung während der letzten Sanierung des Tores 1999 verdichten sich jedoch die Anhaltspunkte, dass es die Figuren nicht, wie langläufig angenommen, weiblichen, sondern eher männlichen Geschlechts sind.

Der Feldsteinsockel des Haupttores weist stadtseitig eine Hohlkehle auf und entspricht interessanterweise so dem Sockel des älteren östlichen Bauabschnitts der Marienkirche, der bis 1298 fertig gestellt war. Die Durchfahrt wurde beidseitig mit Torflügeln verschlossen, deren Angeln noch vorhanden sind. Zusätzlich gab es auch hier noch ein Fallgatter, das durch die beiden breiten Vorlagen auf der Feldseite geführt wurde. Diese sind links mit zwei großen Kreisblenden und rechts mit drei schmalen Blendnischen verziert.

1999 wurden eine Treppe und begehbare Ebenen eingebaut von denen man das Tor auch von innen erleben kann. Besonders bemerkenswert ist natürlich die Konstruktion des Dachstuhls, die noch weitgehend im mittelalterlichen Original erhalten ist.
Die vierzig Meter langen Verbindungsmauern zwischen Haupt- und Vortor lassen auch zwei Bauabschnitte erkennen, der ältere stadtseitig und der jüngere zum Vortor hin. An der östlichen Verbindungsmauer wurde, zum Wall hin vorspringend, die Wohnung des fürstlichen Steuereinnehmers angebaut. In der Südwestecke befand sich einst das Fachwerkhäuschen des Torwärters, das vollständig abgebrochen ist.

Das in der Mitte des 15. Jh. erbaute Vortor ist ein musterhaftes Beispiel der hoch entwickelten norddeutschen Backsteingotik. Das Wehrhafte tritt insbesondere an der Feldseite zugunsten des repräsentativen Elements zurück. Das Vortor weist heute eine Höhe von knapp 18 Metern auf; ursprünglich war es ein Meter mehr. Durch Erhöhung des Straßenniveaus, bei dem ein Teil des Feldsteinsockels verschüttet wurde, ist das Gebäude "geschrumpft"- ein Schicksal, das auch andere historische Gebäude der Stadt erleiden mussten, so auch die anderen Tore. Die Durchfahrt hat eine Höhe von 8, eine Breite von 6,5 Metern und weist wie das Friedländer Tor seitlich versetzte Anschläge auf. Der Beweis dafür, dass sich hier ein mittig gelagertes Drehtor befand, konnte erbracht werden, indem kürzlich bei Erdarbeiten der noch vorhandene Lagerstein unter dem Straßenpflaster beobachtet wurde. Die Einfahrt ist etwas aus der Mitte gerückt, so dass an der westlichen Seite Platz für eine kleine Wachstube mit einem hohen Kreuzgewölbe entstand. An der östlichen Seite führt eine Wendeltreppe in die Obergeschosse. Das Ziergitter im Bogen der Durchfahrt ist eine Zutat des 19. Jahrhunderts, der große Querbalken für die Torflügel, die das Drehtor ersetzten, trägt die Jahreszahl 1626.

Wie bereits erwähnt, ist das schönste Schmuckstück des Vortors die reich verzierte Fassade der Feldseite. In der Literatur sind oftmals, sicherlich nicht unbegründet, Vergleiche mit dem schönsten Giebel der Stadt, dem Ostgiebel der Marienkirche, gezogen worden. In auffallender Ähnlichkeit (sogar die verwendeten Formsteine sind gleich) wiederholt sich am Stargarder Tor vierfach das Ziergiebelmotiv des benannten Giebels der Kirche in der Art von Wimpergen mit Rosetten vor runden Blendnischen. Ähnlich sind auch die beiden Giebel gestaltet, dies jedoch erst seit der Restaurierung des Tores im Jahre 1845. Ursprünglich gab es auch hier den schon beim Friedländer Tor beschriebenen Schildgiebel. Auch einige der Rosetten an der Feldseite sind offensichtlich eine Ergänzung des 19. Jahrhunderts. Augenscheinlich ist hierbei, dass man zu dieser Zeit durchaus maß- und achtungsvoll die Leistungen der mittelalterlichen Baukunst zu würdigen wusste. Die Fialen zwischen den Wimpergen sind als Säulen mit quadratischem Querschnitt ausgebildet und jeweils mit einer pyramidenförmigen Spitze sowie Bändern aus Vierpassfriesen verziert. Ein gleicher Fries findet sich waagerecht darunter. Neben der Durchfahrt befinden sich, asymmetrisch angeordnet, Spitzbogennischen, deren Rosetten ebenfalls jüngeren Datums sind. Der Dachstuhl ist, nachdem er ausgebrannt war, vollständig erneuert worden. Das Vortor ist zu einer Wohnung ausgebaut.

Das Treptower Tor:
Dieses Tor ist das höchste und zugleich wohl auch das repräsentativste der vier Stadttore. Es dokumentiert am augenscheinlichsten den Wohlstand des mittelalterlichen Neubrandenburg und den Stolz seiner Bürger. Das Haupttor hat eine stattliche Höhe von fast 32 Metern und überragt das Vortor turmartig um rund das Doppelte. Dies bot die Möglichkeit, weit über das Vortor hinweg das Gelände zu beobachten und zu verteidigen. Vom obersten Geschoss, dem einstigen Wehrgang, bietet sich ein herrlicher Blick über das westliche Vorland der Stadt.

Die Stadtseite des Tores wird dominiert durch eine große vierteilige Blendnische mit sechs schräg gestellten Wappenschildern darüber. Welche Wappen diese einst trugen, ist nicht überliefert. Neben dieser Nische sind beidseitig jeweils zwei übereinander gestellte kleinere Nischen eingebaut. In diesen ist Stabwerk frei vor die Wand gestellt - wiederum eine Analogie zum Ostgiebel der Marienkirche. Interessant ist, dass für die Zierelemente des Haupttores keinerlei Formsteine verwandt wurden. Der geschickte Umgang des unbekannten Baumeisters mit dem normalen Backstein erreicht hier frappierende Wirkung. Die ebenfalls blendengeschmückten Ziergiebel sind mit Fialen bekrönt. Eine Vielzahl von Fenstern und Schießscharten ermöglichte eine effektive Verteidigung des Tores auch zur Stadtseite hin.

Das Tor hat einen trapezförmigen, leicht verschobenen Grundriss. Der Sockel ist aus großen Feldsteinquadern gemauert und weist eine Hohlkehle auf. Die beiden Traufseiten des Tores sind, analog zur Feld- und Stadtseite mit großem vierteiligen Maßwerk mit relativ kleinen Fensteröffnungen geschmückt. Die Feldseite des Haupttores ist ebenfalls reich gegliedert und verziert mit zahlreichen spitzbogigen Blendnischen und zwei ungleich großen Kreisblenden neben der Durchfahrt. Dominant ist hier, wie auch an der Stadtseite, die dekorative große Spitzbogenbrücke mit sechsteiligem Maßwerk, die den massiven Wehrgang trägt. Dieser weist sechs breite Luken mit Segmentbögen und eine mit Spitzbogenblenden verzierte Brüstung auf. Auffallend sind die massiven Pfeilervorlagen, die die Führung für das Fallgatter bildeten. In ihnen sind zwei Wendeltreppen eingebaut, die die einzelnen Geschosse des Tores miteinander verbinden. Neben dem Fallgatter war die Durchfahrt beidseitig mit Torflügeln gesichert, deren schmiedeeiserne Angeln und Anschlagsteine noch sichtbar sind. Ursprünglich war die Durchfahrt mit einem vierteiligen Sterngewölbe überspannt. Die Ansätze des Gewölbes sind in den Ecken des ersten Obergeschosses des Torturms sichtbar. Bei der jüngsten Restaurierung des Tores im Jahre 1978 ist hier eine Holzbalkendecke eingezogen worden, so dass der Turm jetzt vier Geschosse, zuzüglich eines ausgebauten Dachgeschosses hat.

Bereits 1873 ist das Treptower Tor zu einem städtischen Museum, dem ältesten bürgerlichen Museum Mecklenburgs, ausgebaut worden. Heute beherbergt das Treptower Haupttor die Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte des Regionalmuseums Neubrandenburg.

Das Vortor weist eine sehr große Ähnlichkeit mit dem des Stargarder Tores auf und ist mit Sicherheit gleich nach dessen Fertigstellung, vielleicht sogar zeitgleich, gebaut worden. Also ist seine Erbauung um die Mitte des 15. Jh. oder kurz danach anzunehmen. Generell ist die Formensprache des Treptower Tores in einigen Details etwas zurückhaltender. So sind die Fialen zwischen den Wimpergen nicht mit einem durchgehenden Fries verziert. Dadurch, dass sich hier die Wachstube rechts vom Eingang befindet, ergab sich auch eine andere Aufteilung der Blendnischen.

Das Vortor hat zwei ausgebaute Geschosse, die über eine Wendeltreppe in der nördlichen Seite zu erreichen sind. In dem freien Raum, der sich zwischen der Wachstube und dem ersten Obergeschoß ergibt, befindet sich eine kleine Kammer, die seit 1729 als Gefängniszelle genutzt wurde. Diese hat außer einer Fallluke keine weiteren Öffnungen. Die Durchfahrt hat ebenfalls die schon beschriebenen seitlich versetzten Anschläge. Später sind jedoch auch zweiteilige Torflügel eingebaut worden.

Der Zwinger ist mit seinen Ausmaßen von 34 x 10 Metern kleiner als die der anderen Tore. An den Zwingermauern sind anhand der Baufuge auch zwei Bauabschnitte erkennbar. In die südliche Zwingermauer ist im 18. Jh. ein Fachwerkhaus für den Torwächter und den fürstlichen Steuereinnehmer eingebaut worden. Im Jahre 1856 wurde daneben im neogotischen Stil das erste Telegrafenamt der Stadt erbaut. Beide Gebäude gehören ebenfalls zum Museum.

In den Gesamtkomplex der Treptower Toranlage war als Vorwerk auch die im Jahre 1271 erstmals erwähnte Vierrademühle eingebunden. Diese war mit dem Tor durch Mauern und andere Bollwerke verbunden. In älteren Ratsakten wurde das so genannte Kuhtor erwähnt, durch das die Neubrandenburger ihr Vieh über den Kuhdamm, heute die Jahnstraße, nach Nordwesten in die Tollensewiesen trieben. Somit stellt sich die gesamte Anlage als weitausgreifender Festungskomplex dar, der die wichtige alte Handelsstraße nach Westen absperrte und gleichzeitig Grenzfeste war. Der etwa 100 Meter entfernte Tollensefluss stellte in der Geschichte eine Grenze des Stargarder Landes dar. Die Wirksamkeit dieser Befestigung wurde unter Beweis gestellt, als hier 1631 ein Versuch General Tillys scheiterte, die Stadt von Westen her einzunehmen.

Das Neue Tor:
Das Neue Tor ist, wie sein Name schon anzeigt, das jüngste der Neubrandenburger Stadttore.

Offensichtlich gab es in der Stadt schon im Mittelalter Verkehrsprobleme auf der von westen nach Osten verlaufenden Richtung. Deshalb war die Errichtung eines weiteren Tores notwendig. Die durch dieses Tor führende Straße vereinigte sich östlich vor der Stadt mit der, die aus dem Friedländer Tor führte.

Von der Anlage des Neuen Tores ist nur noch das Haupttor erhalten. Das sich einst vor dem Haupttor befindliche Vortor, oder besser die Reste von diesem, sind im Jahre 1852, wie auch das Wachhaus und die Verbindungsmauern, wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Lediglich eine Zeichnung aus dem Jahre 1851 von Riefstahl überliefert das Aussehen des Vortors. Diese zeigt die Ruine eines typischen Renaissancebaus im Stil römischer Triumphbögen in überputztem Backstein.

Das Neue Tor hat auch einen Zingel besessen. Dieser ist erst in der ersten Hälfte des 17. Jh. begonnen worden, mit Sicherheit in Anbetracht des heraufziehenden Dreißigjährigen Krieges. Das unvollendete Bauwerk wurde 1631 durch die Kanonen General Tillys niedergeschossen und vollkommen vernichtet. Fundamentreste von diesem sind auf Höhe des jetzigen Friedrich-Engels-Ringes beobachtet worden.

Das noch vorhandene Haupttor ist der zweiten Hälfte des 15. Jh., also dem Ausklang des Mittelalters, zuzuordnen. In dieser Zeit versuchte man bewusst, frühmittelalterliche Architektur zu reproduzieren - ein Versuch, der beim Neuen Tor offensichtlich gelungen ist. So finden sich am Neuen Tor eine ganze Reihe von Stil- und Architekturelementen, wie wir sie schon von den anderen Toren her kennen.

Das Tor hat einen rechteckigen Grundriss von rund 7 x 10 und eine Firsthöhe von etwa 19 Metern. Der Sockel besteht aus sechs Schichten von Feldsteinquadern. Die Durchfahrt ist in spätgotischer Manier als stumpfer Spitzbogen mit fast geradlinig geführtem Scheitel ausgeführt. Sie war mit einem ebenfalls spitzbögigen Tonnengewölbe abgeschlossen, das treppenseitig auf Pfeilervorlagen ruhte und mit seinem Scheitel bis an die Brüstung der untersten Fenster reichte. Leider ist dieses Gewölbe durch eine glatte Betondecke ersetzt worden, und anstelle des historischen Mauerwerks wurde eine neue Wand an der Treppenseite hochgezogen. Noch kurz vor der politischen Wende und der Wiedervereinigung hatte man begonnen, das Neue Tor zu einem Gästehaus der SED-Bezirksleitung auszubauen. Dabei ist auch ein äußerst störend wirkender Fahrstuhlschacht in das Innere des Tores gesetzt worden.

Heute ist das Tor Heimstatt der Fritz-Reuter-Gesellschaft und Ort vielfältiger literarischer Veranstaltungen.

Die Stadtseite ist streng symmetrisch gegliedert. Die Blendnischen sind, wie am Friedländer Tor, mit Kleeblattbögen geschlossen. Diese Bögen sind rechts und links neben der Durchfahrt dreifach ineinander verschachtelt. Die zwei Kreisblenden darüber sind mit Maßwerk ausgefüllt. Dieses ist jedoch eine Ergänzung des vergangenen Jahrhunderts. Der siebenfach gestaffelte Dreiecksgiebel mit seinen Krabben und den aufgesetzten Kreuzblumen ist ebenfalls eine Zutat des 19. Jh. Gleiche Elemente verwandte der Baurat Friedrich Wilhelm Buttel, ein Schüler Schinkels, auch an der Marienkirche, die 1832 - 41 unter seiner Leitung umfassend restauriert wurde. So ist anzunehmen, dass diese Ergänzungen, wie auch die an den anderen Toren, Buttel zuzuschreiben sind. Die schon erwähnte Zeichnung von Riefstahl zeigt noch einen relativ schmucklosen abgetreppten Giebel. Von den oberen Blendnischen ragen die fünf mittleren in den Giebel hinein. Diese Nischen sind, analog zum Stargarder Tor, besetzt mit Frauenfiguren aus Terrakotta. Hier am neuen Tor sind die Figuren jedoch etwas plastischer ausgebildet und haben eine andere Armhaltung. Auffallend ist, dass am Neuen Tor die Figuren eine unterschiedliche Größe aufweisen und auch die Länge der Gewänder variiert. Außerdem fehlt hier die mittelste, neunte Figur. An ihre Stelle ist ein kleines Spitzbogenfenster gesetzt. Dieses hatte früher einen Mittelpfosten und eine kleine Maßwerkrosette, die offensichtlich irgendwann "wegsaniert" worden sind.
 
 

Haupttor Treptower Tor

1. Ringstraße

Wiekhaus 8

Wiekhaus 8, um 1912

Neues Tor

Rundes Wiekhaus

Fangelturm

Detail Fangelturm

Stadtmauer und Wall

Stadtmauer und Wall

Stargarder Tor

Terrakottafiguren

Friedländer Tor, Feldseite

Friedländer Tor

Prillwisse-Stein

Friedländer Tor

Friedländer Tor

Altstadt

Trept. Tor, Zwinger, Vortor

Stargarder Tor von Süden

Eichstubben

Neues Tor, Terrakotten

Neues Tor

Neues Tor, Zeichnung

mittelalterlicher Grundriss

 
 
 
 

Nutzung

vgl. touristische Informationen
 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

 
 
 
 
 
 

Heritage Management

(Autor: Dr. Harry Schulz)
 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis

Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. I. Band, 111. Abteilung, bearbeitet von Georg Krüger, Neubrandenburg 1929. - Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Bezirk Neubrandenburg. Hrsg. vom Institut für Denkmalpflege, Berlin 1982. - Franz Boll, Chronik der Vorderstadt Neubrandenburg. Neubrandenburg 1875. - Verwaltungsbericht der Vorderstadt Neubrandenburg. Neubrandenburg 1914/15.