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Pfarrkirche St. Nikolai, Anklam (Deutschland)

 
 
 
 
 

Objektgeschichte

Die Marktkirche

Einst grüßten die Türme der Hansestadt grüßten den Segler schon weit draußen auf dem Oderhaff. Weit über Land und See sichtbar, wurden sie von den Menschen der Hansezeit als mächtige Zeichen verstanden - Zeichen des Herrschaftswillens im Umland ebenso wie des „Stapelrechtes“, alle Waren auf Oderhaff und Peenestrom dem Markt von Anklam zuzuführen.

Bis in die Morgenstunden des 29. April 1945 überragte der bekannte gedrehte Turmhelm der Nikolaikirche – einer der höchsten in den Hansestädten – schwindelerregend die Häuser um den Anklamer Mark. Um den Turm kreisten die Dohlen; in seinem Schatten, an der Peenstraße, stand das Geburtshaus der Brüder Lilienthal.

Ein klassisches Stadtbild im Nordosten Deutschlands. Schon bei Anlage des Straßenrasters einer Gründungsstadt sparte man ein Geviert für die Pfarrkirche aus. Nicht selten aber liegt sie nicht unmittelbar am Markt - wo die Grundstücke dafür zu wertvoll schienen?-, sondern so wie hier: in eine der zum Hafen führenden Straßen versetzt, dort, wo die vermögenderen Kaufleute wohnten. Ebenso stand auch die Rostocker Marienkirche zum Neuen Markt, so steht noch die Nikolaikirche zum Alten Markt von Stralsund, die Marienkirche zum Markt von Greifswald. Das Patrozinium des heiligen Nikolaus von Smyrna, Beschützers der Seeleute und Kauffahrer, spricht hier wie in vielen anderen Seestädten für eine Mitsprache der Gemeinde aus (wohl niederdeutschen) Kaufleuten.

Doch müssen wir hier nicht nur nach den Absichten auch von Bischof und Pfarrer, sondern noch zweier weiterer geistlicher Herren fragen. Der Abt des Klosters Stolpe hatte in ganz Anklam das Patronat inne, war also – nominell – Bauherr. Das geistliche Gericht im Nikolaikirchspiel aber wurde im 14. Jahrhundert dem Archidiakon von Usedom übertragen. Beide mögen bei Anlage und Ausstattung der Kirche mitgewirkt haben.

Bis zur Reformation:
Ein Vorgängerbau?
Grabungen fanden in der Kirche bisher nicht statt. Von einem Bau des 13. oder gar des 12. Jahrhunderts (wie man dort heute lesen kann) ist aber an keiner Stelle des einheitlich hochgotischen Bauwerks der heutigen Nikolaikirche etwas zu bemerken.

Gleichwohl mag die erste Pfarrkirche Anklams, an der die 1257 bzw. 1267 genannten Pfarrer Christian bzw. Gerhard amtierten, eben hier am Markt gelegen haben, inmitten der 1264 mit lübischem Recht bewidmeten deutschen Stadtgründung. Das älteste Ausstattungsstück der Nikolakirche – das einzige heute noch in ihr aufbewahrte – spricht für eine frühe Kirche: das Fragment eines gotländischen Taufbeckens vom Typ einer „Muschelcuppa“, wie sie heute noch in der Hauptkirche Visbys, St. Marien, und der Klosterkirche Roma stehen, beide um 1250 datiert.

Im Jahre 1300 jedenfalls wird eine Nikolaikirche genannt; der Pfarrer hieß Dietrich. Wahrscheinlich stand dieser Bau inmitten der heutigen Kirche. So konnten zwar Chorhaupt und Langhausmauern des Neubaues schon darum herumgeführt werden, aber zunächst noch keine Pfeiler errichtet. Ob Backsteine mit Bemalungsspuren, die im Kern der heutigen Pfeiler gefunden wurden, noch aus dem Vorgängerbau stammten, bleibt aber offen.

Um 1300-20: Chorscheitel, Sakristei und Langhauswände:
Konzeption
Im Gegensatz zur Marienkirche mit ihrer verwickelten Baugeschichte steht die Nikolaikirche als Ergebnis eines einheitlichen Planes vor Augen, zumindest in Dimension und Typus von Grund- und Aufriß: eine langgestreckte dreischiffige Hallenkirche, ursprünglich ganz ohne Anbauten geplant. Von Kapellen abgesehen, brauchte sie nie vergrößert zu werden – ein Hinweis, daß der Entwurf erst aus Anklams „großer Zeit“ stammt, dem 14. Jahrhundert. In den Jahrzehnten bis zur ersten Pest von 1350 erreichten die blühenden Seestädte die höchste Bevölkerungszahl vor dem 18./19. Jahrhundert. In pommerschen Städten wie Anklam scheint die Blüte sich noch bis in die Zeit um 1370 hingezogen zu haben.

Wie üblich, begann der ablesbare Bauvorgang auch hier im Osten, mit dem einheitlich angelegten dreichörigen Ostbau. Von Anfang an sah man also außer dem Hochaltar zwei Nebenaltäre vor – möglicherweise, allerdings erst kurz vor der Reformation erwähnt, der Heiligen Drei Könige und des Petrus und Paulus. Die Frage nach Stiftern, denen so hochrangige Plätze zustanden, läßt an die zwei Kirchherren denken: den Abt von Stolpe und den Usedomer Archidiakon.

Dieser Grundriß fügt sich in eine Reihe „dreiapsidialer“ Chorschlüsse der Zeit um 1300 in den prosperierenden See- und Binnenstädten. Von Beispielen wie Lübeck, St. Jakobi, unterscheiden sich die Anklamer Nebenchöre in der seitlichen Aufweitung, was ihnen die Gestalt eigener Kapellen verleiht. Dem Geschehen an den Nebenaltären war damit nicht nur mehr Raum, sondern durch den zusätzlichen Lichteinfall aus westlicher Richtung auch eine gesteigerte Farbwirkung verschafft. In den Ostseestädten war solche „gotische“ Lichtregie erstmals an den Umgangschören des Lübecker Domes (ab etwa 1265) und der Stralsunder Nikolaikirche (ab den 1270er Jahren?) realisiert worden. Anregend mögen auch die ausladenden „Laternenchöre“ der Franziskaner in Berlin (nach 1271) und Stettin (um 1300) gewirkt haben.

Von anderen frühen Chorprojekten unterscheidet sich der Anklamer Dreichorschluß durch das auffallend breitere Scheitelfeld der Hauptapsis – breiter noch, als das dreibahnige Fenster über dem Hochaltar erforderte, während alle übrigen Polygonseiten noch in der Tradition des 13. Jahrhunderts nur zweibahnig durchlichtet sind. Ein vergleichender Blick auf die Pasewalker Marienkirche, wohl nach 1320, zeigt dort schon die ganze Ostpartie mit Ausnahme der seitlich vortretenden Polygonflanken dreibahnig aufgeglast – um solche Lichtfülle zu erreichen, mußte aber der strenge Anklamer Grundriß verlassen werden.

Daß man den unbekannten Architekten des Anklamer Nikolaichores zu den herausragenden Meistern der norddeutschen Backsteingotik zu rechnen hat, wird an dem vorbereiteten Arkadenansatz besonders deutlich. Er hatte erkannt, daß zwischen auswärts abknickenden Polygonseiten – wenn kein Obergaden abzustreben war, also in einer Hallenkirche - ein äußerer Strebepfeiler überflüssig ist. Damit konnte er die Verdunkelung der Seitenfenster aufheben, die noch an den Dreiapsidenchören etwa der Lübecker Petri- und Jakobikirche, aber auch der Prenzlauer Marienkirche so sehr stört. Stattdessen zog er zwischen Haupt- und Nebenapsiden, also am erwarteten Arkadenanschluß jeweils Pfeilervorlagen raumwärts vor – ein erster Schritt zu den „eingezogenen“ Strebepfeilern, die ab den 1320er Jahren schrittweise die Außenverstrebung ablösen sollten.

Innenraum:
Sicher waren auch die Vollpfeiler der beiden Arkaden in derselben Formensprache geplant wie diese beiden Wandpfeiler im Chor: von massigen Wülsten zwischen tiefen Kehlen umstanden, wie ein schwerer Vorhang, ohne einen einzigen Versprung. Diese Gestalt mag als eine radikale, „organische“ Vereinfachung des Vorbildes hochgotischer Werksteinarchitektur, etwa des Kölner Domchores zu verstehen sein. Die monumentale Wirkung wird dadurch verstärkt, daß die Profile aus Formsteinen von doppelter Normalschichthöhe („Werkziegeln“) bestehen. Dadurch kommt die vor dem Brand an Schablonen seidig glatt geschnittene Oberfläche der dunkelgelben, rötlich geflammten Keramik besonders zur Geltung. Die tiefen Kehlen der Pfeiler stoßen unter den Kämpferbändern in die Höhlung profilierter Kragsteine. Aus dem knappen polygonalen Kämpfergurt entsprangen später zierliche Rippen ohne Bezug auf den Pfeilerquerschnitt – wiederum analog etwa der Kölner Architektur.

Auch die Vorlagen an den Chor- und Seitenschiffswänden lassen eine plastisch durchgebildete Pfeilerarchitektur erwarten. Jedes Wandfeld wird durch weich schwingende Vorlagen monumental eingefaßt, hier jedoch aus normalhohen Formsteinen. Dazwischen tritt jeweils ein Dienstbündel aus fünf zierlichen Birnstäben auf einer Achteckvorlage hervor, die sich ursprünglich doch wohl in den Rippen fortsetzen sollten. Solches Herabziehen der geplanten Rippenprofile in die Wandzone war erstmals in der 1277 geweihten Kölner Domsakristei, noch in den 1270er Jahren im Lübecker Marienchor auch schon in Backstein ausgeführt worden.

Das Fehlen entsprechend profilierter „Werkziegel“ im späteren Abbruchmaterial macht wahrscheinlich, daß mit den geplanten Vollpfeilern der beiden Arkaden im ersten Bauabschnitt noch nicht begonnen worden ist. Tatsächlich finden sich im Kern der heutigen Mauerpfeiler zwar Abbruchsteine mit Putz und Malereiresten – doch sind das Normalsteine, vielleicht von einer provisorischen Abtrennung zum Vorgängerbau.

Während die nördliche Nebenapsis vom Seitenschiff nicht weiter abgetrennt erscheint, war die südliche durch einen Versprung im Bodenniveau von über einem Meter in der Linie der ersten Freipfeiler wie eine Bühne erhöht. Darunter lag ein gedrückter Raum halb eingetieft – seine Fenster sind außen im Sockel noch zu erkennen. Wo Auf- und Abgang lagen, ist bisher nicht geklärt. Die kryptenartige Situation wird hier als abgesenkte Sakristei gedeutet, wie sie an verwandten Hallenkirchen wie St. Marien in Gransee erhalten ist und an St. Marien in Prenzlau ergraben wurde, dort im Mittelalter als „Gerkammer“ bezeichnet. Sie erinnert aber auch an „Adamskapellen“, symbolische Grüfte unter Altären, z.B. in der Greifswalder Kirche St. Spiritus (gegen 1290). Eine andere Parallele mag man in der niedrig eingewölbten Privat- und Grabkapelle unter dem südlichen Nebenchor der Lübecker Katharinenkirche erkennen (gleichfalls um 1290).

Außenbau:
In Bodennähe ist der äußere Sockel ringsum noch aus länglichen Granitquadern gesetzt. Darüber verläuft ein Backsteinprofil aus Wulst, Platte und Kehle rings um den Ostbau herum und entlang der ganzen Südseite, auch um alle Strebepfeiler. Es rahmt auch die kleinen (heute vermauerten) Rundbogenfenster der vermuteten Sakristei unter dem südlichen Nebenchor (Abb. 8). Der Nordseite des Langhauses fehlt dieses Profil; sie galt wohl als nachrangig.

Auf Sohlbankhöhe der Hauptfenster verläuft ringsum ein (völlig erneuertes) Kaffgesims.

Ob der Fries unterhalb des Traufgesimses noch auf den mittelalterlichen Bau zurückgeht, dessen Formsteine einen Wechsel stehender und liegender Dreiblättchen bilden, kann nur durch Bauforschung geklärt werden. Das Traufgesims wurde jüngst völlig erneuert.

Heute nur noch auf der Nordseite zu erleben, gibt die straffe Reihung der Strebepfeiler dem Außenbild des Langhauses eine aufwärts strebende Eleganz. Sie schließen über Kämpferhöhe der Fenster mit schlanken Fialaufsätzen ab, deren Schäfte noch großenteils ursprünglich sind – ein im Backsteinbau nur noch selten erhaltenes Detail (Abb. 4). Der eigentümliche Formstein der Fialenkanten tritt erstmals an den Fialen der Obergadenbrüstung in der Lübecker Marienkirche um 1290 auf, bald nach 1308 am Chorscheitel der Stralsunder Nikolaikirche, um 1315 auch an beiden Anklamer Kirchen (an St. Marien nur an der Nordostecke des Langhauses erhalten, mit Giebelabschluß, wie er wahrscheinlich auch hier zu rekonstruieren ist). Solche Details lassen uns ahnen, daß es einzelne Menschen waren, deren Wanderleben von Stadt zu Stadt, von Baustelle zu Baustelle wir am Ende die Backsteingotik verdanken.

Wie schon um das Chorhaupt, sind auch die nun dreibahnigen Fenster des Langhauses außen durch zwei Lagen hohe „Werkziegel“ eingefaßt. Sie erinnern mit ihrer hellen Materialfarbe und den sorgfältig geschnitten Oberflächen sicher nicht nur zufällig an Werksteine, profiliert mit zweifachem Rundstab im Wechsel mit abgesetzten Kehlen. Diese Profilfolge leitet außen eine schlank gerundete Plattenkante ein, wie ein umgeschlagener Vorhang – erneut ein nur von diesem Bau bekanntes Motiv

Wie bei den langgestreckten Stadtpfarrkirchen üblich, waren vier Portale ins Langhaus angelegt, je ein Paar im dritten und im siebten Joch. An der größeren Mauerstärke sind sie innen auch dort noch nachzuweisen, wo sie später ganz ausgebrochen wurden. In der ursprünglichen Gestalt ist aber nur das jetzige Hauptportal (in der Vorhalle) von Süden erhalten. Durch kein Kämpferband gebremst, ein Charakterzug der strähnig-linearen Hochgotik nach 1300, umziehen sechs Kehlen mit eingelegten Stäben den schlanken Spitzbogenumriß. Auf der Nordseite ist gegenüber von innen gleichfalls ein ursprüngliches Portal zu erkennen, jedoch gedrungener, das auf noch tiefere Staffelung des Gewändes angelegt wurde und deshalb ins Kircheninnere kastenförmig einspringt. Seit der vollständigen Erneuerung der äußeren Profile kann man nur noch vermuten, daß hier - aus „Werkziegeln“? - eine monumentale Laibung angelegt war.

Die Außenmauern wurden entlang der Seitenschiffe nach Westen bis in das siebte Joch hochgezogen. Dann aber entschied man sich zu einem Bruch mit der bisherigen Raumkonzeption. Das ist zwar von außen nicht zu sehen, da man offenbar genügend „Werkziegel“ produziert hatte, um noch bis in das achte Joch die Fenstergewände damit aufzusetzen. Innen aber treten
neuartige Wandvorlagen auf, ausschließlich mit gefasten Stufungen profiliert.

Um 1320-40: Baubeginn des Turmmassives, Pfeiler, Einwölbung, Ausmalung:

Dieser stilistische Bruch geht mit der Entscheidung zu einer Turmlösung einher. Es ist nicht zu erschließen, ob in der ersten Phase überhaupt bereits eine Turmplanung bestand, gar ob ein- oder doppeltürmig. Jedenfalls wurde jetzt ein mittlerer Einzelturm über dem üblichen schlichten Rechteckgrundriß begonnen. Wie in der Marienkirche wurden zunächst nur die östlichen Turmpfeiler ausgeführt, um möglichst rasch ein Widerlager für die geplante Langhauswölbung zu erhalten. Im südlichen ist eine Wendeltreppe angelegt.

Die Seitenschiffe wurden als Turmseitenhallen bis zur westlichen Turmflucht weitergeführt, nach dem Vorbild etwa der Lübecker Petri- und Jakobikirche oder der Greifswalder Marienkirche. Auf der Südseite legte man einen Treppenturm auf Achteckgrundriß an. Es bleibt unklar, warum zwei Treppen so dicht beieinander gleichzeitig hochgeführt wurden – plante man zu dieser Zeit eine Stufenhalle, oder gar eine Weiterführung zur Basilika, deren Dächer nicht miteinander in Verbindung gestanden hätten?

Nun konnten die 14 Arkadenpfeiler gestellt werden. Der aufwendige plastische Stil des ersten Bauabschnittes war aber offenbar nicht mehr aktuell; vielleicht traute man sich auch die geplante schlanke Proportion nicht mehr zu. Stattdessen wurden massigere Achteckpfeiler ausgeführt, wie sie vor allem in Kirchen der Franziskaner und Dominikaner im späten 13. Jahrhundert aufgekommen und in der norddeutschen Backsteinarchitektur nach 1300 populär geworden waren. Einziges aufwendigere Detail war der fein profilierte Sockel aus großformatigen „Werkziegeln“ (jüngst bis auf wenige Belegstücke beseitigt). Über die schmalen Kämpferbänder spannen sich Arkadenbögen aus jeweils vier gefasten Stufen.

Im Pfeilerkern wurden außer Abbruchziegeln auch erstaunlich große Keramikquader entdeckt – in denselben Abmessungen, wie wir sie an den Kanten des Südturmes der Stralsunder Nikolaikirche sehen, in dem 1318 begonnenen und vor 1327 abgeschlossenen ersten Abschnitt. Vermutlich wurden diese Quader, in den typischen Anklamer Ockertönen, nach Stralsund von der Anklamer Nikolaiziegelei geliefert, ebenso wie das dortige prächtige Westportal, ebenfalls aus gelblichen „Werkziegeln“. Um 1320-25 datieren wir daher diesen zweiten Mauerabschnitt der Anklamer Nikolaikirche.

Vermutlich noch in dieser Phase wurde am zweiten Joch auf der Südseite ein quadratischer Anbau mit Kantenlisenen angefügt, der als Sakristei den ursprünglichen abgesenkten Raum unter dem Südchor abgelöst haben mag (Reste in der Südwand der jetzigen Kapellen).

Zum Abschluß wurde die Kirche überdacht. Dieses 1945 verbrannte Hallenrahmendach ist uns nur noch aus einer Photographie bekannt – es gehörte zu den ältesten und eindrucksvollsten Beispielen solcher gewaltigen Holzkonstruktionen. Zwei 10m hohe Ständerwände, mit Kopfbändern zu den Dachbalken verstrebt, trugen das obere Dachdreieck; links und rechts waren halbe Dächer angeschoben, so daß sich im Äußeren riesige durchgehende Dachflächen ergaben.

Die Einwölbung konnte erfolgen, sobald die Turmmauer Mittelschiffshöhe erreicht hatte. Es scheint, daß von West nach Ost gewölbt wurde. Wie in der Marienkirche war diese Wölbung nicht durch Zuganker gesichert – eiserne Schlaudern waren weder in den Außenmauern noch in den Pfeilerköpfen oder am Turm vorbereitet. Daher traten wohl schon rasch Verformungen ein. Die Strebepfeiler um den Ostbau mußten auf fast die doppelte Tiefe verstärkt werden. Am Ende ließ man aber das größte Feld über dem Hauptaltar offen (oder das Gewölbe stürzte wieder ein). Hatte man sich verschätzt, und traute sich die flache Kappenwölbung nicht zu schließen? Weil das Gelände hier abfällt, und das Chorhaupt schon auszuweichen begann? Ohne Verankerung mochte es in der Tat riskant gewesen sein – selbst die Lübecker Marienkirche traute man sich nicht einzuwölben, bis gegen 1330 Anker eingezogen waren. So reichten hier über dem Hauptaltar Putze und Kalkungen jahrhundertelang bis zur Mauerkrone hinauf, wo wohl eine Bretterdecke verlegt war.

Bald nach der Einwölbung – noch von denselben Gerüsten aus? - wurde der Kirchenraum ausgemalt. Die Außenwände und die Achteckpfeiler überzog man durchgehend mit großformatigem Quaderfugennetz aus roten Linien auf weißer Kalkung. Das war in den Seestädten, wohl nach französischem Vorbild, üblich geworden um 1320/30 – als freigelegte Originaloberfläche eines ganzen Kirchenraumes heute wieder zu sehen in der Lübecker Katharinenkirche. Beiderseits aller Fenster aber wurden in den oberen Zwickeln Heiligenfiguren gemalt – links und rechts des Chorscheitelfensters überlebensgroß Nikolaus und die Madonna, zu ihren Füßen gemalte Schilde (der pommerschen Herzöge, als Hinweis auf eine Stiftung?), über den Häuptern gemalte Wimperge. Damit nicht genug: die Flanken aller Arkadenbögen wurden mit Putz glattgezogen und darauf gleichfalls je vier Figuren dargestellt. So war die Raumzone über den Kämpfern schließlich mit annähernd 200 Heiligen bevölkert!

Bei der Restaurierung dieser Ausmalung 1908, die uns noch in Photographien vor Augen steht, wurden aber die Gewölbe selbst schlicht belassen. Doch konnte bei der Notsicherung 1994/95 Jahren an den Resten noch eine ähnliche Gestaltung wie in der Marienkirche nachgewiesen werden, vor allem mit ursprünglichen eisernen Stiften zur Aufhängung von Zierscheiben an den Rippen. So ist auch hier eine Gestaltung zu vermuten, wie sie die Musterachse in St. Marien heute zeigt.

Gegen 1400: Vollendung des Turmes
Jahrzehnte gingen ins Land – die finstere Zeit nach 1350, als der Schwarze Tod erstmals Mitteleuropa erreichte und nun alle paar Jahre wiederkehrte -, ehe schließlich die Vollendung des Turmes in Angriff genommen und tatsächlich erreicht wurde. Spätestens 1457, als in der nördlichen Turmseitenhalle ein Peter- und Paulsaltar erwähnt wird, dürfte er fertig gewesen sein.

Über dem mit gewaltigen Granitplatten verblendeten äußeren Sockel zieht sich ein Profil aus „Werkziegeln“ um den Westbau. Suchte man an die Gestaltung der ersten Bauphase anzuknüpfen? Allerdings wurde weder das Formen noch das Brennen mehr richtig beherrscht – das Profil wirkt unsicher, die scharfgefeuerten Steine sind vielfach zerrissen und wurden darüber (in einem zweiten Brand?) schwarz glasiert.

In den engen Turmhallen setzt das schwindelerregend aufstrebende Backsteinmauerwerk auf schweren Feldsteinen auf („Felsen“ sagen dazu norddeutsche Maurer), die die Kraft und Festigkeit der Grundmauer augenfällig vorführen. Solche absichtlich aus „wild“ belassenem Urgestein bis weit über Bodenhöhe aus der Mauer vortretenden Fundamente sind ein eigentümliches Motiv des nordostdeutschen Backsteinbaues der Spätgotik; verwandt den abenteuerlichen Übertreibungen der Tiefe und Stärke von Gründungen in Schriftquellen dieser Zeit. Daß hier nicht etwa eigentlich unterirdische Bauteile später freigelegt wurden, beweist der Anschluß an das bereits bestehende Mauerwerk der Turmosthälfte, aber auch die Höhenlage des äußeren Sockels mitsamt dem Westportal.

Mittig in der Westfront wurde ein monumentales Portal angelegt, das aus rechteckig gebündelten Wülsten, tief hinterschnitten in dreifacher Stufung eingefaßt ist. Vergleichbare Profile finden sich am jüngsten Bauabschnitt der Klosterkirche Eldena oder manchen der Hinrich Brunsberg zugeschriebenen Bauten, etwa der Marienkirche in Königsberg (Neumark). Ein auch hier unter den Fenstersohlbänken umlaufendes Kaffgesims aus „Werkziegeln“ bildet um das Portal eine rechteckige Rahmung.

Noch mindestens zweimal änderte man beim weiteren Aufmauern im Turminneren das Gestaltungskonzept – zu erkennen an abbrechenden Profilen bzw. asymmetrischen Laibungen der Fenster in den Turmseitenhallen.

Der Turmschaft ist außen durch Friese und Gesimse in vier Monumentalgeschosse gegliedert, von denen jedes die Höhe eines ausgewachsenen mittelalterlichen Hauses erreicht. Wie an St. Marien sind die beiden vorletzten ähnlich gegliedert, durch je drei dreibahnige, aber nur flach eingetiefte Blenden. Wieder findet sich unten die klassische Dreierlanzette, das Motiv des Rostocker Nikolaiturmes. Weiter oben treten zunächst kleine, über den Schalluken dann große Maßwerkrosen wie Spitzendeckchen hinzu. Die Friese sind heute mit erneuertem Backsteinmaßwerk wie mit gehäkelten Bordüren gefüllt – ein typisches Motiv der „Odergotik“. Bauforschung ergab aber, daß zumindest der untere Fries ursprünglich wohl gar keine Formsteine trug. Die oberen Figuren dagegen sind teilweise schon auf Photographien vor der Restaurierung zu erkennen.

Daß die vier Giebel des Turmes, jeweils unter einem Scheitelkreis mit enggestellten Blendbahnen gerastert, und der imposante steile Turmhelm noch bis 1945 die ursprünglichen waren, ist nicht sicher, aber doch wahrscheinlich. Damit handelte es sich schon damals wohl um einen der letzten mittelalterlichen hölzernen Steilhelme, eine Besonderheit der Hansestädte des Ostseeraumes.

Bis zur Zerstörung besaß St. Nikolai – auch das eine seltene Ausnahme - Glocken von 1411, 1450 („Apostelglocke“, heute im Turm der Marienkirche) und 1462 und damit ein komplettes spätgotisches Geläut.

15. Jahrhundert: Kapellen auf der Südseite, Ausstattung:

Schon um 1420 besaß der Ratmann Peter Rosebard an der Nikolaikirche eine eigene Kapelle. Im Jahre 1434 werden auch an der Nikolaikirche die in den Seestädten so beliebten „Marientiden“ genannt – Gesänge zu festen Uhrzeiten -, für deren Abhaltung meist eigene Kapellen errichtet wurden. Um welche der Kapellenanbauten auf der Südseite es sich dabei jeweils handelte, ist bisher nicht klar.

Erhalten ist im jetzigen Baubestand eine dreijochige, zweigeschossig eingewölbte Vorhalle, für die man die erste angebaute Sakristei teilweise abbrach. Sollte diese Vorhalle – wie die Westvorhalle an St. Marien – der Abhaltung des Sendgerichtes dienen, das seit dem späteren 14. Jahrhundert an St. Nikolai von dem Usedomer Archidiakon gehalten wurde? In ihrer Ostwand, wohl neben einem Altar angelegt, sieht man noch eine flachbogige Nische mit einem Ring unter dem Scheitel, wohl zum Aufhängen eines Waschgefäßes. Als man sie einwölbte und aufstockte, wurden zusätzlich Strebepfeiler vorgestellt – eine bis nach 1400 verpönt gewesene Bauweise, die erst im fortgeschrittenen 15. Jahrhundert wieder häufiger ausgeführt wurde.

Die beiden östlichen Joche der Halle wurden noch in mittelalterlicher Zeit durch eine Quermauer abgeteilt, und an der Ostwand ein Kamin eingebaut – offenbar wieder für eine Nutzung als Sakristei (heute Informationsbüro).

Westlich dieses tiefen Vorbaues sind zwei Anbauten geringerer Tiefe erhalten - typische kastenförmig vor die ursprünglichen Strebepfeiler gesetzte „Einsatzkapellen“, wie sie mehrfach auch an der Marienkirche erhalten sind. Etwas älter ist davon die westliche. Zeitweilig wurde hier mit roten Backsteinen gemauert, vielleicht aus Greifswald oder Stralsund importiert – in Anklam um diese Zeit ein auffälliger Anblick.

Wieder abgebrochen sind heute weitere Kapellen geringerer Höhe in den beiden westlichsten Jochen. Wie an St. Marien scheint auch hier die unbeliebte Nordseite dagegen von Anbauten freigeblieben zu sein.

Im ausgehenden Mittelalter besaß St. Nikolai ein aufwendiges Chorgestühl (acht Wangen von mindestens drei verschiedenen Gestühlen überliefert, eine datiert 1498, heute in St. Marien). In einer Pfarrkirche für heutige Augen ein überraschender Anblick, ist diese Ausstattung vielleicht nicht nur mit einer großen Zahl von Altaristen, sondern auch mit der zeitweiligen Präsenz des Stolper Abtes als Kirchenpatrons und des Usedomer Archidiakons zu erklären.

Erhalten sind auch zwei bemalte Flügel des Hochaltarretabels (heute gleichfalls in St. Marien) aus der Zeit um 1520, verwandt mit dem Hochaltarschrein der Stralsunder Nikolaikirche.
 
 

Blick um 1870

Taufbeckenfragment

Chorpolygone

Chorpolygonen

Bogenprofil

gestufte Fensterlaibungen

Kryptafenster

Seitenschiff

Hallenrahmendach

Mittelschiff

Grundriss Spätmittelalter

Westfront

Turmhalle

Blick heute

Sakristeianbau

Ostwand

 
 
 
 

Besonderheiten

Nach der Reformation:
Aus den ersten Jahrhunderten nach der Reformation liegen kaum Nachrichten über Veränderungen vor – weder über schwere Kriegs- oder Sturmschäden noch Brände. Ein Blitzschlag beschädigte 1574 doch nur den Kaiserstiel des Turmhelmes. Weder der Dreißigjährige noch die folgenden Kriege fügten der Nikolaikirche ernste Schäden zu.

Das ist außergewöhnlich, und machte die Nikolaikirche in dem bis 1945 erhaltenen Zustand zu einer Rarität in der Region. Ihr Innenraum war zuletzt geprägt durch zahllose Gestühle und Emporen der Barockzeit - „Chöre“, wie man in Pommern sagte -, die meisten im Eigentum von Innungen: der Gewandschneider und der Schiffer, der Tischler, Bäcker, Schuster, Schlosser, Kleidermacher, der Huf- und Waffenschmiede, der Fischer, der Maurer und Zimmerleute. Die Kaufleute hatten so selbstverständlich ihre Empore wie die Gymnasiasten. Durchweg reich beschnitzt und bemalt, geschmückt mit Zunftwappen und Inschriften, boten sie ein Abbild der ganz in Korporationen erstarrten Gesellschaft des Alten Reiches. Hinzu kamen noch erhaltene Beicht- und Ehrenstühle, Kanzel und Orgelempore. Mit Stolz vermerkte man 1909: „Chöre in dieser Reichhaltigkeit und Verschiedenheit sind in keiner anderen Kirche Norddeutschlands bekannt“.

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden auch in den Kapellen der Nikolaikirche die üblichen Grablegen vermögender Bürgerfamilien mit barocken Prunkfassaden. Davon sind heute nur noch die Grüfte am westlichen Ende der Turmseitenhallen deutlich zu erkennen. Erhalten ist auch eine kleine Anzahl barockzeitlicher Grabplatten, die ehemals im Kirchenboden lagen, so wie heute noch in der Marienkirche. Sozialgeschichtlich bemerkenswert ist davon der recht ansehnliche Grabstein eines Scharfrichters.

Immer wieder repariert werden mußte der zur abschüssigen Straße hin ausweichende Chorbau. Wohl bei den Arbeiten um 1730 oder um 1770 wurde das fehlende Gewölbe über dem Altar geschlossen, nachdem man das Chorhaupt mit zwei Ankerbalken zu den ersten Pfeilern hin gegen weiteres Kippen gesichert hatte.

Auf eine erste Restaurierung des Äußeren 1873 gehen vermutlich die umfangreichen Ausbesserungen des Mauerwerks vor allem am Turmschaft zurück.

Das Glück wollte es, daß die Restaurierung des Innenraumes erst 1906-09 und damit zu einer Zeit stattfand, in der die Kunstgeschichte auf die so leicht zerstörbaren mittelalterliche Ausmalungen aufmerksam geworden war. Man entdeckte den Figurenschatz in der oberen Wandzone, legte die Malereien frei (und erfand wohl auch einiges hinzu, was sich noch an den erhaltenen Fragmenten gut unterscheiden läßt). Erstmals traute man sich hier, die wiederaufgetauchte Quaderbemalung der Wände wiederherzustellen; nur die Gewölbe beließ man schlicht. Indem man aber die überlieferte Vielfalt jetzt nicht mehr „stilrein“ restaurierte, sondern die Werke aller Epochen von der Hochgotik bis zum Empire gelten ließ, entstand ein überwältigendes Bild (das allerdings in solch synchroner Buntheit nie zuvor in der Geschichte der Kirche bestanden hatte).

Geschoßeinschläge fliehender deutscher Truppen, schon vom anderen Peeneufer aus, setzten am Nachmittag des 29.04.1945 auch die Kirche in Brand, die binnen kurzem bis auf das rohe Mauerwerk vernichtet war.
 
 
 
 
 
 

Nutzung

Seit 2003 finden in der Nikolaikirche ganzjährig Konzerte, Ausstellungen, Feste wie Hochzeiten statt. Als Vorbilder dienen die „Kulturkirchen“ St. Petri in Lübeck, St. Georgen in Wismar und St. Jacobi in Stralsund mit ihrem vielfältigen Angebot kultureller Veranstaltungen. Umbauten, die den Architekturcharakter völlig verändern würden, wie in der monofunktionalen Konzerthalle St. Marien in Neubrandenburg, sind hier nicht geplant. Hoffnungen für eine langfristige und überregionale Steigerung der Attraktivität richten sich auch auf das Projekt „Ikareon“, ein Museum der Fliegerei in Erinnerung an die Brüder Lilienthal.
 
 
 
 
 
 

Eigentumsverhältnisse

Die Nikolaikirche ist Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Anklam in der Pommerschen Evangelischen Kirche. Im Oktober 2004 ist sie in Erbpacht an die Hansestadt Anklam übergeben worden, die das Patronat bereits seit 1634 innehatte. Der Bau wurde dafür als Kirche entwidmet.
 
 
 
 
 
 

Restaurierungsprozess

Ruinensicherung, Wiederaufbau:
Im September 1945 wurde noch brauchbares Baumaterial der Nikolaikirche zur Sicherung der Marienkirche geborgen. Ende Januar 1946 riß ein Turmgiebel die „Apostelglocke“ in die Tiefe – sie blieb heil! Nur die Kapellenräume auf der geschützten Südseite waren noch in einem Zustand, der es 1949/50 erlaubte, hier einen Konfirmandenraum einzurichten. Ansonsten blieb die abgezäunte Ruine ungesichert und verfiel. Ein Gutachten des Statikers Preiß von 1963 hob aber die außerordentliche Stabilität des Turmmauerwerkes trotz aller oberflächlichen Schäden hervor. Damit wurde erreicht, daß der Turm für Funkanlagen der „Post“ (dem Vernehmen nach der Staatsicherheit) ausgebaut wurde. Eine Sprengung der Kirchenruine war damit abgewendet.

Die bereits 1963 skizzierte Wiederherstellbarkeit auch der Kirche wurde von Preiß 1986 nochmals dargestellt, als der Verfall schon unaufhaltsam schien. Doch die Wende machte es möglich, daß sich im Jahre 1994 Anklamer Bürger zu einem Verein für die Wiederherstellung von St. Nikolai zusammenschließen konnten. Dem Engagement dieser Bürger und der Ermunterung durch den Evangelischen Kirchbauverein in Berlin ist es zu verdanken, daß man sich zu einem konstruktiven Wiederaufbau und nicht nur einer weiteren Ruinensicherung – oder gar doch zum Abriß - entschlossen hat.

Eine der ersten Maßnahmen war die Erfassung und Sicherung des noch erhaltenen Bestandes mittelalterlicher Malerei an den Arkadenbögen. Zur Gefahrenminderung wurden absturzgefährdete Gewölbereste und andere Mauerpartien abgetragen. Das beauftragte Architekturbüro schlug dann eine vorläufige Überdachung des Kirchenraumes unter Verwendung von Stahlgitterbindern vor, die später für ein Steildach nutzbar sein sollen – ein nicht unumstrittenes Konzept. Die Stützen der aufwendigen Interimskonstruktion mußten 1995/96 auch durch noch intakte Gewölbe geführt werden. In Zeiten leerer Kassen fragt man sich heute, ob nicht gleich der Aufbau eines Steildaches möglich gewesen wäre. Der gewöhnungsbedürftige Anblick des gewaltigen Flachdaches wird jetzt wohl für lange Zeit das Anklamer Stadtbild prägen.

Im Zuge der Mauerwerkskonsolidierung bis 2000 wurden die Mauerkronen weitgehend neu aufgemauert und mit Ringankern zur Aufnahme großer Lasten versehen. Für diese Betonbalken wurden die obersten Mauerlagen abgetragen, was ringsum auch zur Erneuerung der alten Gesimszone oberhalb der Maßwerkfriese geführt hat, auch in gut erhaltenen Partien. Durch Brand, Salze und Frost erschien auch die Mauerschale der Pfeilerfüße angegriffen; erst nach dem Freistemmen kerngesunden Mauerwerks wurde der Plan einer Erneuerung bis über Kopfhöhe schrittweise zurückgenommen. Die weiteren Maßnahmen, insbesondere die Mauerwerksreparaturen am Turm, sind zurückhaltender ausgefallen, doch auch hier dem Prinzip des Austausches, nicht der Ergänzung geschädigter Steine verpflichtet – was von Restauratoren und Bauforschern bedauert wird. 1997 erhielt der Innenraum ein sandgebettetes Backsteinpflaster, das die zerbrochenen Grabplatten verdeckt.

Jetzt stehen weitere Instandsetzungen des Außenmauerwerks an, ehe an den Aufbau des Steildaches gedacht werden kann. Dann wird sich zeigen, ob die Konzentration des Lasteintrages durch das Bindersystem den Außenmauern tatsächlich zugemutet werden kann.

Der Turm soll in Zukunft als Aussichtsort mit weitem Blick über Peenetal und Oderhaff zugänglich gemacht werden. Fernziel ist, ihm den einst so markanten Turmhelm wieder aufsetzen zu können.
 
 

Mauerkronen

von Südosten

 
 
 
 

Heritage Management

Die Hansestadt und der Förderverein freuen sich auch über Spenden für den weiteren Auf- und Ausbau:
Förderkreis Nikolaikirche Anklam e.V.
Sparkasse Vorpommern BLZ 15050500 Kto. 430003951
(Absender für Spendenquittung nicht vergessen).

Daneben werden Konzerte für den Wiederaufbau organisiert (12.000 Besucher alleine im Jahre 2003), „Friedensglocken“ nach dem Vorbild der „Apostelglocke“ verkauft und gezielte Spenden für Fenster eingeworben.

(Autoren: Dipl. Ing. Jens Christian Holst / Dirk Schumann M.A.)
 
 
 
 
 
 

Literaturverzeichnis

Rosemarie Fret:
Anklam. Innenansichten. Rostock 1991

Norbert Buske:
Kirchen in Anklam. Schwerin 1996